Es gibt Dinge, die wir erst bemerken, wenn sie fehlen. Licht ist so ein Ding. Tagsüber denken wir kaum darüber nach. Aber wer schon einmal nachts in einem fremden Haus aufgewacht ist und sich im Dunkeln orientieren musste, weiß wie schwer oder sogar gefährlich das sein kann. Und wie unsicher man sich dabei fühlt.
So wie Sprache, über die wir gestern nachgedacht haben, ist Licht für uns Menschen also auch keine Komfortfunktion. Es ist eine Grundbedingung, denn wir sind auf Sehen ausgerichtet, auf Orientierung durch Licht. Kein Wunder also, dass Licht in fast allen Kulturen der Welt für dasselbe steht: Leben, Wahrheit, Hoffnung. Und für den Weg, den man gehen kann, ohne zu straucheln.
Lichtquelle und Lebensquelle
Johannes greift genau dieses Bild auf, wenn er uns zu Beginn seines Evangeliums erklärt, wer Jesus ist:
„In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen.“
Die Bibel, Johannes 1,4-5
Johannes verbindet hier zwei Dinge – Leben und Licht – die auch in unserer Alltagserfahrung zusammengehören. Unsere Sonne ist die große Licht- und Wärmequelle, ohne die Leben auf unserem Planeten gar nicht möglich wäre. Und so ist Jesus, unser Gott, eben der letztendliche Ursprung allen Lebens und allen Lichts – und das ist nicht nur im Sinne von Physik gemeint.
Er hat alle Dinge geschaffen, auch die Sterne. Und auch das Leben kommt von ihm. Er ist seine Quelle. Und weil er die Quelle des Lebens ist, leuchtet er auch. Sein Licht ist aber kein dekoratives Schimmern. Es ist das Leuchten dessen, der weiß, woher wir kommen und wohin wir gehen. Das Licht, mit dem Jesus in diese Welt geleuchtet hat, bedeutet Erkenntnis und Weisheit über die Seiten der menschlichen Existenz, die mit herkömmlichen Lichtquellen nicht erhellt werden können.
Stell dir mal eine Küstenlinie vor, dunkel, felsig, zerklüftet, in einer stürmischen, mondlosen Nacht. Kein GPS, kein Radar, keine Karte – keine Orientierung. Aber dann: ein Leuchtturm! Er wirft seinen gleißenden Lichtkegel ungerührt in die Finsternis hinaus und ist kilometerweit zu sehen. Hoffnung keimt auf – denn sein Licht schenkt Orientierung.
Spannend ist dabei, dass der Leuchtturm nicht beurteilt. Er leuchtet einfach. Das ist seine Aufgabe. Er ist ein Wegweiser für die, die auf dem Wasser sind. Damit sie den sicheren Weg auch in Finsternis finden können. Damit sie nicht Schiffbruch erleiden, sondern heil ankommen.
Genau das ist Jesus für die Menschheit: ein Leuchtturm in unserer Finsternis. Er ist aber nicht irgendein Wegweiser unter vielen, sondern der eine, der wirklich den Weg zum ewigen Leben weist. Der wirklich eine sichere Ankunft garantieren kann.
Eine ehrliche Anmerkung
Johannes verschweigt nicht, was er beobachtet hat. Er schreibt es klar, ohne Beschönigung aber auch ohne Urteil:
„Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen.“
Die Bibel, Johannes 1,5
Das Licht von Jesus Christus leuchtet immer noch in unserer Welt. Noch immer weist Jesus uns treu den Weg zum ewigen Leben. Aber die Finsternis – unsere Finsternis – wir Menschen mit unserem eigensinnigen, selbstgerechten Verstand – wir haben es nicht begriffen, nicht erkannt oder wollen es einfach nicht wahr haben. Zumindest die Menschheit als Ganzes. Damals nicht, als Jesus auf dieser Erde wandelte, und heute auch nicht.
Johannes verurteilt das nicht. Er notierte es einfach als nüchterne Bestandsaufnahme. Aber die Konsequenz ist trotzdem klar: so wie kein Leuchtturm jemanden retten wird, der nicht auf ihn vertrauen will, sondern lieber einen anderen Kurs einschlagen will, so wird auch Jesus niemanden retten, der gar nicht von ihm gerettet werden will. Gott ist schließlich kein Despot, der sich uns gegen unseren Willen aufzwingt.
Schau selbst hin
Ähnlich wie ein Leuchtturm war auch Jesus nicht in diese Welt gekommen, um mal kurz aufzublitzen und uns dann wieder in unserer Dunkelheit zurückzulassen. Auch sein Licht leuchtet die ganze Nacht lang – bis er irgendwann zurückkehren wird. Es leuchtet also auch heute noch. Und das ist vor allem eins: Eine neue Einladung an jede neue Generation von uns Menschen.
Jeder Mensch darf sich Jesus zuwenden. Jeder darf ihn anschauen und sich frei entscheiden, ob er ihm vertrauen und den Kurs seines Lebens nach ihm ausrichten will oder nicht. Und jeder, der etwas genauer hinschauen möchte, kann auch das tun – denn er hat uns die Bibel gegeben. Durch Menschen, die ihm in den Stürmen ihres Lebens begegnet sind und uns davon in seinem Auftrag geschrieben haben.
Schau dir selbst an, was sie mit Gott erlebt haben!
„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.“
Die Bibel, Psalm 119,105
