Es gibt Momente, in denen Menschen etwas erleben, das sie nicht für sich behalten können. Andreas, der später einer der zwölf Apostel wurde, war so ein Mensch. Er hatte damals gerade einen Tag mit Jesus verbracht und muss dann seinen Bruder suchen, um ihm davon zu erzählen:
„Wir haben den Messias gefunden!“ (das heißt übersetzt: den Christus).
Die Bibel, Johannes 1,41
Kein langer Bericht. Keine langen Erklärungen. Keine Zweifel. „Wir haben ihn gefunden!“ spricht von einer großen Freude und Begeisterung. Wer einmal wirklich begriffen hat, wer Jesus ist, der kann es kaum fassen und kaum für sich behalten: „Der Messias!“ Andreas gebrauchte als Jude natürlich das hebräische Wort – und der Autor des Johannesevangeliums, der Apostel Johannes, war so nett, im Nachsatz die griechische Übersetzung anzufügen: der Christus.
Aber was bedeutet dieses Wort – Messias, Christus – überhaupt?
Ein Wort mit Geschichte
Für uns heute tatsächlich ein ungewohntes Konzept – aber hebräische Namen haben üblicherweise eine Bedeutung. Und die Namen Gottes erzählen ganze Geschichten. Das hebräische „Messias“ und seine griechische Übersetzung „Christus“ bedeuten beide dasselbe: der Gesalbte.
Was bedeutet es also, wenn uns Jesus als „der Gesalbte“ vorgestellt wird?
Für die Juden war die Salbung mit Öl kein leerer Ritus, sondern hatte eine tiefe Bedeutung. Sie zeigte die Beauftragung eines Menschen durch Gott selbst. Drei Gruppen von Menschen wurden gesalbt: Könige, die das Volk regieren sollten. Priester, die zwischen dem Volk und Gott vermittelten. Und Propheten, die Gottes Wort an Könige, Priester und das Volk überbrachten.
Drei Ämter. Drei Arten, Gott zu dienen, indem man dem Volk diente. Und in dem Kontext hatte Gott lange, sehr lange vor Jesus einen ganz besonderen Menschen angekündigt, auf den Israel buchstäblich Jahrhundertelang gewartet hatte. Auf den einen, der kommen würde – den Gesalbten schlechthin. Einen, der nicht nur eines dieser Ämter ausfüllen würde, sondern alle drei auf einmal – und auch nicht irgendwie erfüllen, sondern er würde sie zur Vollendung bringen.
Und Andreas war sich sicher: Jesus war dieser Eine. Das Warten war vorbei!
Und nun würde Gott handeln.
Ganz anders als erwartet
Die meisten Israeliten zur Zeit von Jesus hatten eine ziemlich konkrete Vorstellung davon, wie dieser Messias aussehen müsste: ein starker König, der die römische Besatzung beenden, Israel wieder groß machen und Gerechtigkeit durchsetzen würde.
Um es kurz zu machen: Jesus hat diese Erwartungen nicht erfüllt. Und er hat sie nicht einfach nur knapp verfehlt, sondern er war wirklich völlig anders. Er kam nicht mit Macht, nicht mit Pomp und konfrontierte auch nicht die Römer. Er kam als Baby in eine arme Familie und wurde in einem Stall geboren. Er regierte nicht von einem Thron, sondern diente bei Tisch. Er war kein Priester im Tempel, sondern zog im Land umher und predigte und lehrte die einfachen Leute. Und doch hatte er eine Autorität, eine Vollmacht und sein Wort eine Kraft, die die Menschen verblüffte und ihnen den gnädigen Gott vor Augen stellte, wie kein von Priestern geführter Tempelritus es je gekonnt hatte.
Und dann starb er am Kreuz. Unfassbar für seine Jünger, die in ihm den Sohn Gottes erkannt hatten. Statt der Königswürde, die ihm einige hatten geben wollen, entschied er sich für den Tod.
Und genau das – das Kreuz von Jesus Christus – ist der Schlüssel. Der Schlüssel zum Christus. Der Schlüssel zum Evangelium, der guten Botschaft. Der Schlüssel zur ganzen Bibel. Der Schlüssel zu Gottes großem Plan mit dieser Schöpfung. Der Schlüssel zu Gottes Herz.
Der Christus war nicht gekommen, um nur politisch zu befreien. Er war gekommen, um von Sünde und Schuld zu befreien, von der Herrschaft des Todes. Er war gekommen, die Trennung des Menschen von Gott zu überwinden, die der Mensch mit dem Sündenfall heraufbeschworen hatte.
Das ist eine viel tiefere Befreiung, als irgendjemand erwartet hatte.
Was das mit dir zu tun hat
Andreas hat nicht lange gezögert. Er hat nicht erst noch ein Buch über die Sache gelesen, keine Konferenz besucht, keine Expertenrunde abgewartet. Er ist einfach zu seinem Bruder gegangen, hat ihm gesagt, für wen er ihn hält – und hat ihm im Prinzip gesagt: Komm und schau doch selbst!
„Wir haben den Messias gefunden!“ (das heißt übersetzt: den Christus). Und er führte ihn zu Jesus.
Die Bibel, Johannes 1,41-42
Und genau das möchten wir auch dir sagen. Das Johannesevangelium ist der Bericht eines Augenzeugen, der selbst auch eine ganze Reihe anderer Augenzeugen gut kannte. Johannes schrieb sein Evangelium mit dem Ziel, damit andere sich selbst ein Bild machen und auch zum Glauben an Jesus Christus kommen können.
„Was hier berichtet ist, wurde aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr als Glaubende das ewige Leben habt durch ihn.“
Die Bibel, Johannes 20,31
In den nächsten Wochen werden wir hier gemeinsam schauen, mit welchen Namen und Bildern sich Jesus uns im Johannesevangelium vorstellt – und was sie uns über ihn verraten.
Aber der beste Einstieg bleibt immer noch: Lies selbst!
„Forscht nach im Buch des HERRN und lest es!“
Die Bibel, Jesaja 34,16
