Wer denkt, er braucht niemanden

Es gibt Menschen, die wirken wie aus einem Guss. Selbstsicher. Immer eine Antwort parat. Kein Zögern, kein Zweifeln. Und irgendwie bewundern wir das – dieses „Ich hab mein Leben im Griff“-Gefühl, jedenfalls wenn es ohne Arroganz daherkommt.

Vielleicht kennst du das auch von dir selbst, so ein leises inneres Gefühl:
„Ich schaffe das! Ich komm schon klar. Ich brauch niemanden dafür.“

Das ist kein schlechtes Gefühl. Es kann sogar hilfreich sein, wenn es keine Selbstüberschätzung ist. Es gibt Ruhe und Sicherheit und man kann sich einfach auf die Aufgabe konzentrieren. Aber es gibt einen Punkt, an dem dieses Gefühl anfängt, uns zu täuschen.

Ein alter Satz, der sitzt

In der Bibel steht ein Satz, der schon Tausende von Jahren alt ist und trotzdem klingt, als wäre er für heute geschrieben:

„Wer hochmütigen Herzens ist, ist dem HERRN ein Gräuel.“

Die Bibel, Sprüche 16,5

„Ein Gräuel.“ Das ist ein sehr hartes Wort. Kein mildes „das gefällt mir aber nicht so gut.“, sondern eine harte, sehr deutliche Abfuhr, ein Bugschuss.

Wofür steht Gott hier also ein? Was ist das Gegenbild zum Hochmut?

Das ist die Demut. Allerdings nicht die weiche, unterwürfige Variante, die wir oft damit verbinden. Hier geht es um etwas viel Mutigeres, das tatsächlich einige Charakterstärke erfordert: Sich selbst nicht für den Mittelpunkt zu halten.

Was Hochmut wirklich ist

Hochmut heißt nicht unbedingt, dass du auf andere herabschaust, obwohl das oft damit einhergeht. Im Kern ist Hochmut die übertriebene Aufwertung und Überhöhung der eigenen Person – also eine viel zu hohe, gute Meinung von sich selbst. Du hast immer Recht, weißt immer alles besser und andere Menschen können dir nicht das Wasser reichen. Und Gott? Der ist eigentlich überflüssig in deinem Leben – aber wenn es ihn gibt, dann würde er gut daran tun, dich in den Himmel zu bitten, denn einer wie du, der fehlt da noch!

OK, wir haben das hier etwas auf die Spitze getrieben – aber die Sache sollte damit klar geworden sein, oder? Hochmütige Menschen leben, als ob sie die Krone der Schöpfung wären, keine Fehler machen und niemals von irgendwem Hilfe brauchen. Das ist der Punkt.

Natürlich kennen wir aber eigentlich alle die nüchterne Realität der Dinge: Jeder wird mal richtig krank. Jeder versteht mal etwas nicht. Jeder braucht mal Hilfe. Jeder macht mal Fehler. Bei jedem geht auch mal ein Plan nicht auf. Und jeder Mensch, wirklich jeder, ist ein Sünder.

Was Gott wirklich will

Das Gegenteil von „Gräuel“ ist im Hebräischen oft mit dem Wort „rāṣôn“ verbunden: Wohlgefallen, Freude, Zuneigung. Gott schaut also nicht gleichgültig auf uns. Er hat eine Haltung. Ihm liegt etwas an uns. Und was ihm gefällt, ist jemand, der die eigene Begrenztheit akzeptiert – und trotzdem nicht verzweifelt, weil er weiß, dass da einer ist, der größer ist – Gott.

Das ist keine Schwäche. Das ist vielleicht die ehrlichste Haltung, die ein Mensch einnehmen kann.

Eine Frage zum Mitnehmen

Stell dir mal vor, du würdest heute einen einzigen Tag lang so leben, als wärst du nicht der Mittelpunkt deiner eigenen Geschichte. Als gäbe es jemanden in deiner eigenen Biografie, der dafür wirklich wichtiger ist als du selbst. Jemand, dem du aber auch wirklich sehr wichtig bist, der in allem weiser und fähiger ist als du und dem du völlig vertrauen kannst.

Wie würde sich das anfühlen?

Wenn du neugierig bist, was die Bibel über Gott sagt, der Hochmut ablehnt aber Menschen liebt, die einfach akzeptieren, dass er größer ist als sie und sich in ihrem Leben auf ihn stützen, dann fang einfach an, die Bibel zu lesen. Das Buch Sprüche ist ein guter Einstieg, wenn du Weisheit suchst. Kurze Sätze, große Wahrheiten und mehr Weisheit, als du wegtragen kannst.

Und vielleicht merkst du dabei: Hier spricht kein ferner Richter, sondern ein Gott, dem wirklich etwas an dir liegt, der dir nahe ist und der nur das Beste für dich im Sinn hat. Für dein Leben hier auf der Erde und für dein Leben nach dem Tod.