Johannes hätte seinen Bericht über Jesus auf viele Arten beginnen können. Mit der Geburt in Bethlehem, zum Beispiel. Mit der Taufe im Jordan. Mit dem ersten Wunder in Kana. Er begann ganz anders:
„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“
Die Bibel, Johannes 1,1
Im Anfang. Wer die Bibel kennt, weiß sofort, wo er das schon gehört hat. Es sind die ersten Worte der Bibel, die Johannes hier zitiert. So beginnt der Schöpfungsbericht. Und Johannes greift das hier bewusst auf – und sagt damit: Was ich dir jetzt erzähle, ist keine Randnotiz der Geschichte. Es ist der Anfang von allem. Noch einmal. Aus einer etwas anderen Perspektive.
Sprache trägt etwas
Bevor wir fragen, was „das Wort“ bedeutet, lohnt es sich, kurz innezuhalten und kurz darüber nachzudenken, was Sprache überhaupt ist.
Gott hat uns als sprechende, denkende Wesen geschaffen. Wir kommunizieren durch Sprache. Wir denken in Sprache. Und Sprache trägt immer etwas: Information, Absicht, Charakter. Wenn jemand spricht, teilt er sich mit. Ein Brief verrät etwas über den, der ihn geschrieben hat. Ein Wort kann trösten, verletzen, aufklären, einladen.
Gott hat durch die Jahrhunderte immer wieder gesprochen – durch Propheten, die seine Worte dann niederschrieben und so nach und nach das Alte Testament geschrieben haben. Jedes Wort Gottes trug etwas von ihm in sich.
Dann aber schickt er nicht noch einen weiteren Propheten mit einem weiteren Teil der Botschaft. Er schickt den, der selbst „das Wort“ ist.
Ein Begriff, der zwei Welten verbindet
Das griechische Wort, das Johannes verwendet, ist „Logos“. Griechisch war damals im östlichen Teil des römischen Reichs die Handels- und Verkehrssprache, während das Latein der Römer eigentlich nur als Verwaltungssprache diente. „Logos“ war für die Menschen in und um Israel damals also kein unbekannter Begriff. Wenn sie „Logos“ lasen, dachten sie an das Vernunftprinzip, das die Welt durchdringt und zusammenhält. Der Sinn hinter allem. Philosophen suchten ihn, diskutierten über ihn, beschrieben ihn.
Für jüdisch geprägte Leser wiederum war „Logos“ das Wort Gottes mit schöpferischer Kraft und göttlicher Autorität, denn „Gott sprach und es wurde.“ So steht es zehnmal im Schöpfungsbericht, auf den Johannes am Anfang seines Evangeliums ja verweist. Gott redet nicht, um nur Luft zu bewegen. Wenn Gott spricht, entsteht Wirklichkeit.
Johannes greift beide Vorstellungen auf – und sprengt sie dann. Er sagt nicht: „Der Logos ist ein Prinzip.“ Er sagt: „Das Wort Gottes ist selbst eine Person“. Und diese Person war von Anfang an bei Gott. Und mehr noch! Diese Person, dieses Wort, war selbst Gott.
Und dann, in Vers 14, kommt der Satz, der einfängt, wie sehr Gott die Wirklichkeit menschlichen Lebens durch dieses besondere Wort verändert hat, das Johannes uns in seinem Augenzeugenbericht vorstellt:
„Er, der das Wort ist, wurde Mensch und lebte unter uns. Er war voll Gnade und Wahrheit und wir wurden Zeugen seiner Herrlichkeit, der Herrlichkeit, die der Vater ihm, seinem einzigen Sohn, gegeben hat.“
Die Bibel, Johannes 1,14 (aus der Übersetzung „Neues Leben“)
Er – der selbst das göttliche Wort und gleichzeitig selbst Gott ist – der Sohn Gottes, kam in seine Schöpfung. Gott betritt selbst die Bühne dieser Welt. Das ist die Weihnachtsgeschichte – noch bevor Bethlehem auch nur erwähnt wird.
Die vollständigste Aussage, die Gott je gemacht hat
Alle Propheten vor Jesus haben von Gott im Prinzip nur einzelne Sätze bekommen. Manche auch mal ein Kapitel oder zwei. Alle wichtig und wahr. Keiner falsch. Aber eben nur Stückchen einer großen Botschaft. Jesus ist (!) das ganze Buch. Er ist die ganze Botschaft. Er – seine Person, sein Leben, sein Kreuz – ist das, was Gott uns Menschen zu sagen hatte – und hat. In ihm spricht Gott nicht einfach nur zu uns. In ihm zeigt Gott sich selbst.
Das ist die Information, die Jesus trägt. Das ist eine ungeheure Behauptung und hat unvorstellbare Tragweite! Und natürlich ist es auch schwer greifbar. Aber genau das ist die Behauptung des Johannesevangeliums. Und es lohnt sich, selbst nachzulesen, selbst zu prüfen, was dran ist an dieser größten und besten Botschaft aller Zeiten.
Denn was wäre, wenn der Sinn der Welt und deines Lebens kein abstraktes Prinzip ist, sondern wirklich eine Person, die du persönlich kennenlernen und dich unterhalten kannst? Die dich liebt und nur dein Bestes will?
Das ist das Versprechen der Bibel: Ein Gott, der nicht fern im Himmel geblieben sondern in diese Welt bis auf Augenhöhe herabgekommen ist, damit du ihn begreifen und ihm begegnen kannst.
„Forscht nach im Buch des HERRN und lest es!“
Die Bibel, Jesaja 34,16
Lies Bibel.
