Der Mann, der Gott nicht glauben wollte

Wie alle Menschen kam auch C.S. Lewis nicht als gläubiger Christ auf die Welt. Und zunächst sah es so aus, als würde es auch dabei bleiben. Er wurde einer der schärfsten Denker des 20. Jahrhunderts – Literaturprofessor in Oxford und Cambridge, brillanter Debattierer – und überzeugter Atheist und Gegner des christlichen Glaubens.

Trotzdem wurde er überzeugter Christ. Aber nicht entgegen seiner akademischen Ausbildung, sondern eher gerade deswegen.

Ein Atheist mit einem Problem

Lewis beschrieb seinen Weg zum Glauben in seiner Autobiografie mit einem Satz, der so ehrlich ist, dass er fast komisch klingt:

„Ich war vielleicht der widerwilligste Bekehrte in ganz England.“

C.S.Lewis, Surprised by Joy, Kap. 14

Er hatte als junger Mann bewusst für sich entschieden, dass Gott nicht existiert. Das war für ihn keine bequeme Entscheidung gewesen, sondern eine ernsthafte intellektuelle Überzeugung. Aber je tiefer er in Philosophie, Literatur und Geschichte eintauchte, desto unbequemer und unhaltbarer wurde seine atheistische Position. Das Problem war nicht, dass er keine Argumente gegen Gott fand. Das Problem war, dass die Argumente für Gott nicht verschwanden, je tiefer er grub – egal wie sehr er sich das auch wünschte. Tatsächlich wurden sie sogar immer gewichtiger.

Besonders eine Frage ließ ihn nicht los: Woher kommt das menschliche Gewissen? Dieses hartnäckige Gefühl, dass manche Dinge absolut falsch sind. Nicht nur unpraktisch oder unbeliebt, sondern wirklich und wahrhaftig und objektiv falsch. In einer nach seiner Überzeugung rein materiellen Welt ohne Gott konnte Lewis dafür keine befriedigende Erklärung finden. Egal, wie intensiv er suchte.

Die Nacht, die alles veränderte

1929, im Alter von 30 Jahren, beschreibt Lewis einen Moment, der ihn selbst überraschte:

„Ich gab nach und gestand, dass Gott Gott ist – vielleicht die widerwilligste und niedergeschlagenste Bekehrung in ganz England.“

C.S.Lewis, Surprised by Joy, Kap 14

Die Bekehrung von C.S. Lewis war kein spektakuläres Ereignis. Sie geschah nicht aus Angst in einem mächtigen Gewittersturm oder durch eine Vision. Emotionen waren überhaupt nicht im Spiel. Es war vielmehr die stille Kapitulation eines Mannes, der lange mit Verstand, Logik und Methode gegen die Wahrheit angekämpft hatte – und dessen Widerstand schließlich doch unter der Last der Beweise einbrach.

Aber das war erst der Anfang. In den folgenden Jahren rang Lewis weiter. Diesmal mit der Frage, welcher Gott. Und hier spielten Gespräche mit seinem Freund J.R.R. Tolkien eine entscheidende Rolle, der ihm half, zu verstehen, dass die Geschichte von Jesus Christus nicht einfach ein weiterer Mythos war, sondern reale Menschheitsgeschichte.

Was Lewis daraus machte

Lewis hätte seinen Glauben für sich behalten können. Er war Professor, hatte Ansehen zu verlieren, bewegte sich in akademischen Kreisen, in denen Glaube bestenfalls belächelt wurde.

Stattdessen schrieb er. Unermüdlich. Für alle, nicht nur für Akademiker. Seine Bücher haben Millionen von Menschen erreicht, die mit denselben Fragen rangen wie er selbst. Über die Bibel schrieb er:

„Die Bibel ist das von Gott inspirierte Wort. Man sieht es gerade daran, dass Gott sich durch echte, fehlbare Menschen in ihrer jeweiligen Kultur, Geschichte und Sprache ausdrückte, anstatt ein fehlerfreies, abstraktes Lehrbuch vom Himmel herabzusenden.“

vgl. C.S. Lewis, Reflections on the Psalms, Kap. 11

Und über Jesus sagte er etwas, das bis heute eine der klarsten Herausforderungen an jeden Skeptiker ist, das sogenannte „Trilemma“:

„Ich versuche zu verhindern, dass jemand jene herablassend-dumme Bemerkung nachspricht, die man oft über ihn [Jesus] hört: ‚Ich bin bereit, Jesus als großen moralischen Lehrer zu akzeptieren, aber ich akzeptiere seinen Anspruch nicht, Gott zu sein.‘

Das ist das Einzige, was wir gerade nicht sagen dürfen! Ein Mann, der lediglich ein Mensch wäre und solche Dinge sagen würde, wie Jesus sie gesagt hat, wäre kein großer moralischer Lehrer. Er wäre entweder ein Verrückter – auf einer Stufe mit einem, der behauptet, er sei ein gekochtes Ei – oder er wäre der Teufel der Hölle.

Sie müssen sich entscheiden. Entweder war und ist dieser Mann der Sohn Gottes, oder ein Irrer oder etwas noch Schlimmeres. Sie können ihn als Geisteskranken einsperren, Sie können ihn anspucken und ihn als Dämon töten; oder Sie können ihm zu Füßen fallen und ihn Herr und Gott nennen. Aber kommen wir nicht mit diesem gönnerhaften Unsinn von einem großen menschlichen Lehrer. Diese Option hat er uns nicht offengelassen. Das war auch nicht seine Absicht.“

C.S. Lewis, Mere Christianity, Buch II, Kapitel 3

Was das für dich bedeutet

Lewis stellte dieselben Fragen, die viele Menschen heute stellen. Und er wollte wirklich nicht glauben. Trotzdem wurde er überzeugt. Nicht durch Gefühle, sondern durch die Argumente der Bibel. Nicht weil er aufhörte, nachzudenken, sondern weil er sich die Zeit nach, selbst zu lesen, zu prüfen und selbstständig nachzudenken. Und er prüfte nicht nur die Bibel, sondern prüfte seine eigene atheistische Weltanschauung ehrlich nach dem selben Maßstab.

Seine Geschichte ist eine Einladung. Du kannst es ihm gleichtun. Du kannst selbst die Bibel in die Hand nehmen und anfangen zu lesen, zu prüfen, zu überdenken. Dazu gehört, der Versuchung zu widerstehen, schon vorher zu entscheiden, was am Ende das Ergebnis deiner Bemühungen sein wird. Das braucht es, um wirklich nach der Wahrheit zu suchen – und nach ihr zu handeln.

„Forscht nach im Buch des HERRN und lest es!“

Die Bibel, Jesaja 34,16