Auch für dich

Es gibt ein Missverständnis, das viele Menschen vom Bibellesen abhält, noch bevor sie überhaupt angefangen haben:

Ist die Bibel nicht nur etwas für Theologen?
Ist sie nicht viel zu kompliziert für normale Leute?

Das ist ein hartnäckiges Vorurteil. Und die Bibel widerspricht ihm direkt.

Was Psalm 119 sagt

Der Psalm 119 ist mit 176 Versen das längste Kapitel der ganzen Bibel. Und es steht im dicksten Buch der Bibel, denn es gibt ganze 150 Psalmen. Und Psalmen, das sind eigentlich Lieder. Der Psalm 119 nun spricht in seinen vielen Versen – und zwar in jedem einzelnen davon – über Gottes Wort selbst. Und damit ist dieses Lied das ausführlichste Lied über die Liebe zur Bibel, das je geschrieben wurde.

Und mittendrin steht dieser Vers:

„Wenn dein Wort offenbar wird, so erleuchtet es und macht klug die Unverständigen.“

Die Bibel, Psalm 119,130

„Die Unverständigen“ – das klingt in unseren Ohren erst mal seltsam, vielleicht sogar abwertend. Aber im hebräischen Original meint das Wort schlicht: die Unerfahrenen. Die, die es noch nicht wissen. Die Anfänger. Menschen, die kein Vorwissen mitbringen und keine theologische Ausbildung haben.

Und genau für solche Menschen – für uns alle – entfaltet Gottes Wort seine Wirkung. Nicht trotz fehlenden Vorwissens, sondern einfach ganz unabhängig davon.

Das ist eine erstaunliche Aussage: Die Bibel braucht also keinen Experten als Voraussetzung für Verstehen. Sie bringt ihr eigenes Licht mit. Sie macht sich ihre Experten selbst. Deine Aufgabe ist nur, sie zu lesen und über Gottes Worte nachzudenken. Und Geduld zu haben. Den Rest macht Gottes Wort.

Ein Vorbild im Bibellesen

Selbst Luther, der die Bibel wohl besser kannte als fast jeder andere Mensch zu seiner Zeit, hielt es so:

„Ich lese die Bibel, wie ich meinen Apfelbaum ernte: Ich schüttle ihn, und was runterkommt und reif ist, das nehme ich. Das andere lasse ich noch hängen. Wenn ich eine Stelle der Bibel nicht verstehe, ziehe ich den Hut und geh vorüber.“

Respekt und Geduld. Das war Luthers Methode. Und das kann jeder nachmachen, denn als Luther anfing, die Bibel zu lesen, hatte auch er keine Ahnung. Auch er musste einfach anfangen und herausfinden, wohin ihn Gottes Wort führen würde.

Wie die Bibel arbeitet

Die Bibel ist kein Sachbuch. Sie ist ganz anders aufgebaut und zwar so, dass sie auf vielen Ebenen gleichzeitig spricht. Wer zum ersten Mal liest, findet historische Berichte über konkrete Menschen in konkreten Situationen – aber auch Geschichten, Bilder, Visionen, Poesie und andere Literaturgattungen. Wer tiefer gräbt, findet reale geschichtliche Zusammenhänge, die sich über Jahrhunderte erstrecken, quer durch die Menschheitsgeschichte. Und überall hineingewoben finden wir Blickwinkel auf und Informationen über unseren Gott und seinen Retter für uns, Jesus Christus. Und weil Gott eine unendliche Person ist, reicht auch das längste Menschenleben nicht aus, um alle Schätze in der Bibel gefunden und alles über Gott und die Menschen gelernt zu haben. Die Bibel ist unerschöpflich.

Aber der Einstieg ist niedrig. Absichtlich. Denn Gott will ja, dass wir seine Worte an uns lesen und verstehen können. Die Bibel ist nicht für die „Fertigen“ geschrieben, sondern für die Suchenden. Für die, die lernen wollen. Für die Neugierigen. Für die, die Gott bei seinem Wort nehmen wollen.

Eine Einladung, die seit Jahrtausenden gilt

Der Prophet Jesaja lebte etwa 700 Jahre vor Christus – in einer Zeit, in der noch nicht einmal das Alte Testament schon vollständig geschrieben war. Und trotzdem schrieb er, von Gott inspiriert, diese Einladung, die bis heute nichts von ihrer Dringlichkeit und Gültigkeit verloren hat:

„Forscht nach im Buch des HERRN und lest es!“

Die Bibel, Jesaja 34,16

Nicht: Studiert es. Nicht: Versteht es zuerst vollständig. Sondern einfach: Lest es!

Lesen, das ist der erste Schritt. Und Gott, der dieses Wort geschrieben hat, bringt selbst das Licht mit, das du brauchst, um es zu verstehen.

Du musst kein Experte sein. Du musst nur anfangen.
Lies Bibel.