Es gibt einen Gedanken, der viele Menschen davon abhält, sich Gott zu nähern – selten laut ausgesprochen, aber tief verankert: „Ich bin nicht gut genug. Gott ist so heilig. Und ich bin es nicht. Mein Leben ist noch zu unordentlich.“ Und dabei bleibt es dann.
Die Bibel widerspricht diesem Gedanken auf verschiedene Weisen. Aber nirgendwo so überraschend und so konkret wie gleich auf der ersten Seite des Neuen Testaments.
Ein ungewöhnlicher Stammbaum
Das Neue Testament beginnt mit dem Matthäusevangelium. Und dieses beginnt mit der Ahnentafel von Jesus Christus, also der Liste seiner Vorfahren. Für viele Leser ist das eher langweilig. Aber wer genau hinschaut, entdeckt etwas Erstaunliches!
In dieser Ahnentafel tauchen vier Frauen auf. Das ist für sich schon ungewöhnlich – Stammbäume in der damaligen Zeit liefen über die männliche Linie. Aber noch ungewöhnlicher sind die Geschichten, die mit diesen vier Frauen verbunden sind. Es sind Geschichten von der Art, die gewöhnlich eher „totgeschwiegen“ werden. Aber nicht bei Gott:
Tamar: Sie wurde von ihrem Schwiegervater Juda um ihr Recht als Witwe betrogen. Um es sich zu erkämpfen, verkleidete sie sich als Prostituierte und schlief mit ihm. Die Bibel urteilt nicht über sie – im Gegenteil: Juda selbst sagt am Ende, sie sei gerechter als er.
Rahab: Sie war Prostituierte in der Stadt Jericho und versteckte die Kundschafter Israels auf eigene Lebensgefahr, weil sie erkannt hatte, dass der Gott Israels der wahre Gott ist. Da sie Gott vertraute, rettete er sie und ihre Familie und sie wurden zum Volk Israel gezählt.
Ruth: Sie war Moabiterin, also Ausländerin aus einem Volk, das Israel verfeindet war. Sie folgte ihrer verwitweten Schwiegermutter Naomi nach Israel und arbeitete dort treu und hart für sie beide. Ruths Aussage „dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott“ ist ihr wundervoll klares Bekenntnis zu Naomi und zu Gott. So wurde auch Ruth ein Teil des Volkes Israel.
Batseba: Sie wird im Stammbaum auffällig nur als „die Frau des Uria“ bezeichnet. Uria war ein treuer Soldat Israels – und König David begehrte seine Frau. Letztlich beseitigte er Uria per Auftragsmord, um sie heiraten zu können. Gott selbst, durch den Propheten Nathan, nannte das, was David getan hatte, klar beim Namen: Mord und Unrecht.
Vier Frauen. Zwei Prostituierte. Eine Ausländerin aus einem verfeindeten Volk. Und eine Frau, deren Mann vom König Israels ermordet wurde. Diese vier Frauen gehörten aber nicht einfach nur zum Volk Israel, sondern sie sind alle ein Teil des Stammbaues von Jesus Christus und werden dort – entgegen der jüdischen Tradition – auch noch explizit erwähnt.
Gott hätte den Stammbaum Jesu anders gestalten können. Er hätte die Frauen auch einfach nicht erwähnen können. Er hat sich anders entschieden. Und damit wird es zu einer Botschaft an uns.
Warum das kein Zufall ist
Als Gott das Volk Israel zu seinem Volk erwählt, sagt er ihnen:
„Nicht deshalb, weil ihr zahlreicher wärt als alle Völker, hat der HERR sein Herz euch zugewandt und euch erwählt – denn ihr seid das geringste unter allen Völkern -, sondern weil der HERR euch liebt.“
Die Bibel, 5. Mose 7,7-8
Israel ist „das geringste unter allen Völkern“. Nicht das mächtigste. Nicht das weiseste. Nicht das moralisch einwandfreieste. Sondern das geringste.
Das Gott das von Anfang an so klar benennt, zeigt uns deutlich, dass das kein Versehen war, sondern Absicht. Gott erwählt das Schwache, das Unscheinbare, das Gebrochene – weil es dort am deutlichsten sichtbar wird, dass die Kraft, die Großes möglich macht, von ihm kommt und nicht vom Menschen. Und darin steckt eine große Hoffnung für uns.
Was Gott wirklich sucht
Jesus hat das einmal in einem kurzen Gleichnis auf den Punkt gebracht. Zwei Männer beten im Tempel. Der eine – ein angesehener Pharisäer – listet vor Gott fromm seine Vorzüge auf. Der andere – ein verachteter Zöllner – traut sich kaum, aufzublicken und sagt nur:
„O Gott, sei mir Sünder gnädig!“
Die Bibel, Lukas 18,13
Und dann spricht Jesus seine, Gottes, Sicht auf den Zöllner und den Pharisäer deutlich aus:
„Ihr könnt sicher sein, dieser Mann ging von seiner Schuld befreit nach Hause, nicht aber der Pharisäer.“
Die Bibel, Lukas 18,14
Nicht der mit der frommen Fassade ist vor Gott gerecht, sondern der ehrliche Sünder. Gott sucht keine perfekten, starken, heiligen Menschen – denn die gibt es nicht. Er sucht ehrliche Menschen. Und auch du darfst einfach so zu ihm kommen, wie du bist.
„Ich bin gekommen, um Sünder in die Gemeinschaft mit Gott zu rufen, und nicht solche, die sich sowieso für gut genug halten.“
Die Bibel, Matthäus 9,13
