Was ist Sünde?

Sünde – das Wort hat ein Imageproblem. Das klingt nach mittelalterlicher Kirche, nach erhobenem Zeigefinger, nach einer Liste verbotener Dinge, die das Leben freudlos machen soll…

Viele Menschen reagieren auf das Wort mit einer Mischung aus Langeweile und Gereiztheit.
Aber was, wenn wir das Wort völlig falsch verstanden haben?

Was Sünde nicht ist

Sünde ist nicht in erster Linie eine Liste von Verboten. Sie ist keine religiöse Kategorie für besonders schlimme Vergehen. Und sie ist auch keine Bewertung, ob jemand ein „schlechter Mensch“ ist.

Das griechische Wort im Neuen Testament, das wir mit „Sünde“ übersetzen, ist „hamartia“. Es bedeutet wörtlich: das Ziel verfehlen – wie ein Bogenschütze, der am Ziel vorbeischießt. Nicht unbedingt absichtlich. Nicht unbedingt weit daneben. Aber eben vorbei.

Das Ziel, das wir verfehlen, ist Gottes Heiligkeit. Das ist der Maßstab, den wir im letzten Post kennengelernt haben. Und wie wir gesehen haben: Dieses Ziel verfehlen wir alle.

„Denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit Gottes.“

Die Bibel, Römer 3,23

Nicht die meisten. Nicht nur die, die wir für besonders schlecht halten. Sondern wir alle.
Ohne Ausnahme.

Was Sünde wirklich ist

Aber Sünde ist mehr als das Verfehlen eines Maßstabs. Im Kern ist Sünde ein Beziehungsproblem.

Ein Beispiel: Ein Kind wächst in einer liebevollen Familie auf. Die Eltern geben ihm alles – Fürsorge, Geborgenheit, Orientierung, nichts fehlt. Und dann kommt der Moment, wo das Kind sagt: „Ich weiß selbst, was gut für mich ist. Ich brauche euch nicht.“ Und es geht seinen eigenen Weg. Nicht aus Bosheit, sondern aus der tiefen Überzeugung heraus, dass es selbst besser weiß, was gut ist. Dahinter stecken Selbstüberschätzung, Engstirnigkeit und ein Mangel an Weisheit. Das Ergebnis ist eine beschädigte, gestörte Beziehung. Dass der Lebensweg des Kindes danach wahrscheinlich durch einige Schlaglöcher und vielleicht sogar in einen richtigen Abgrund führt, ist hier nur noch die Konsequenz, nicht Ursache.

Genau das beschreibt die Bibel als den Kern der Sünde. Nicht zuerst die einzelnen schlechten Taten, sondern die innere Haltung, die davor war – und die alles in Gang gesetzt hat: Ich entscheide selbst, was richtig und falsch ist. Ich brauche keinen anderen über mir. Ich weiß es besser. Ich bin mein eigener Gott.

„Obwohl sie von Gott wussten, wollten sie ihn nicht als Gott ehren oder ihm danken. Stattdessen fingen sie an, sich unsinnige Vorstellungen von Gott zu machen, und ihr Verstand verfinsterte sich und wurde verwirrt. Sie behaupteten, weise zu sein, und wurden dabei zu Narren.“

Die Bibel, Römer 1,21-22

Stolz und Eigensinn, das ist die Wurzel von Sünde. Das ist der Grund, warum die Beziehung zwischen Gott und Menschen zerbrochen ist im Sündenfall: Die Entscheidung von Adam und Eva, Gottes Führung nicht mehr zu vertrauen, sondern selbst zu entscheiden, was richtig und falsch ist. Und seither folgen alle Menschen diesem Weg. Jeder, ohne Ausnahme. Auch du.

Der Kampf mit der Wahrheit

Vielleicht denkst du jetzt: „Aber ich bin doch kein schlechter Mensch!“

Diese Reaktion ist verständlich. Die meisten Menschen wollen tatsächlich bewusst gut sein und davon mal abgesehen, wer denkt schon gerne schlecht von sich?

Aber das Problem sitzt nicht einfach nur im Verhalten. Es sitzt tiefer. Und das bringt uns wieder zu unserem Thema von gestern. Was ist der richtige Maßstab, um zu beurteilen, was richtig und was falsch ist? Und wenn das Problem im Kern eine zerstörte Beziehung ist, ist dann überhaupt relevant, was genau du tust? Geht es nicht zu allererst um deine innere Haltung Gott gegenüber, die hinter all den vielen Entscheidungen und Taten deines Lebens steht?

Denk mal an die zehn Gebote. Selbst heute noch kennen die meisten zumindest einige. Hast du schon mal gelogen? Hast du schon mal etwas begehrt, das einem anderen gehört? Schon mal etwas gestohlen, auch wenn es nur ein Bonbon bei Oma war? Schon mal Gottes Namen zum Schimpfen oder Fluchen benutzt?

Und nun schau mal, was die Bibel dazu sagt:

„Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.“

Die Bibel, Römer 3,20

Gott gab uns seine Gebote NICHT, weil er erwartet, dass wir sie halten. Obwohl sie gut und richtig sind. Aber Gott weiß ja, dass wir Sünder sind und gab uns die Gebote, obwohl er schon vorher wusste, dass wir sie nicht halten wollen und auch nicht halten können.

Hast du schon mal genau gewusst, was in einer Situation richtig gewesen wäre und es dann nicht getan?

Hast du schon mal genau gewusst, dass das, was du in einer Situation tun wolltest, falsch war und es dann trotzdem getan?

Dass wir sündigen ist eben nur die Konsequenz unseres eigentlichen Problems, nicht die Ursache.

„Wenn wir sagen, dass wir sündlos sind, betrügen wir uns selbst…“

Die Bibel, 1. Johannes 1,8

Wir Menschen sind alle Sünder. Jeder. Ohne Ausnahme. Ich bin es und du bist es auch.
Das ist die Wahrheit – ungeschminkt, ehrlich, und ziemlich schmerzhaft.

Die Frage ist: Bist du bereit, dich dieser Wahrheit zu stellen? Denn zerstörte Beziehungen können wieder hergestellt werden. Aber nur, wenn beide Seiten das wirklich wollen und bereit sind, ehrlich zu sein.

Wie es weitergeht

Gottes gute Botschaft für uns wäre nicht gut, wenn sie hier enden würde. Er hat auch die Antwort auf unsere Sünde.

Aber vorher müssen wir noch ansehen, was Sünde wirklich kostet.
Das schauen wir uns im nächsten Post an: Schuld und Gericht.