Im letzten Post haben wir gesehen, was Sünde ist – nicht nur einzelne Fehler oder falsche Entscheidungen, nicht moralisch verwerfliche Gedanken oder Taten, sondern eine grundlegende Haltung: „Ich entscheide selbst, was richtig und falsch ist. Ich brauche Gott nicht. Ich weiß es besser.“
Das ist der Kern von Sünde. Eine innere Grundhaltung, die die Beziehung zwischen Gott und Mensch zerstört. Und aus dieser Grundhaltung fließt dann auch unser Wollen, unser Denken, unsere Pläne, Entscheidungen und Taten. Deshalb gibt unsere innere Grundhaltung auch immer unserem gesamten Leben die Richtung vor – mit allen Konsequenzen.
Und das ist heute der Punkt: Unsere Haltung hat Konsequenzen. Denn:
Schuld ist real
Wir leben in einer Zeit, die Schuld am liebsten wegtherapieren würde, umdeuten oder einfach ignoriert. „Du bist gut so, wie du bist.“ – „An dir ist nichts falsch.“ – „Tue, was sich gut anfühlt. Das ist in Ordnung.“
Das klingt zwar befreiend. Aber es funktioniert nicht – und das wissen wir eigentlich auch alle. Echte Schuld verschwindet nicht, nur weil wir aufhören, über sie nachzudenken. In unserem Rechtsstaat nicht – und vor Gott auch nicht.
Die Bibel nimmt Schuld ernst – nicht um Menschen kleinzumachen, sondern weil sie zur Realität des Menschenlebens dazugehört. Schuld ist kein Gefühl, mit dem umzugehen wir lernen müssen. Sie ist eine Tatsache, die uns ganz real belastet. Schuld braucht nicht einfach nur eine Antwort. Sie muss getilgt werden. Sie hat einen Preis.
Wenn wir an unser deutsches Rechtssystem denken, verstehen wir das auch sofort. Ohne Ticket geparkt? Etwas gestohlen? Jemanden mit dem Auto angefahren? Natürlich sind Strafen und vielleicht Wiedergutmachung fällig, wenn Gesetze gebrochen werden. Das ist vor unseren irdischen Gerichten so und vor Gottes Gericht ist es nicht anders.
Gericht – ein unpopuläres Thema
Das Wort „Gericht“ löst bei vielen Menschen Unbehagen aus. Es klingt nach Schuld, nach Beweisführung, nach Strafe, nach Religion als Drohkulisse – nach einem zornigen Gott.
Aber mal ehrlich: Wäre eine Welt ohne Gericht wirklich besser? Ohne Konsequenzen?
Wie würden wir dann leben?
Stell dir vor, jede Ungerechtigkeit, die je geschah, bliebe einfach folgenlos. Jeder Verrat, jede Grausamkeit, jedes Unrecht, jeder Mord – ohne Folgen? Die Vergewaltiger, Massenmörder und Völkermörder der Menschheit würden sich freuen. Aber was wäre dann mit ihren Opfern?
Wäre das Gnade? Wäre das Liebe?
Wäre es nicht vielmehr die kälteste Grausamkeit, die es geben könnte?
Wäre es nicht sogar Legitimation?
Ein Gott, der Unrecht dauerhaft ignoriert, wäre kein guter Gott. Er wäre gleichgültig und grausam gegenüber den Schwachen. Gericht und Konsequenzen sind daher nicht der Gegensatz zu Gottes Liebe. Es ist vielmehr ein Ausdruck seiner Liebe, seiner Heiligkeit und seiner Gerechtigkeit. Aber damit es gerecht zugeht, muss eben jeder – wirklich jeder – vor Gottes Gericht Rede und Antwort stehen.
„Denn wir alle müssen einmal vor dem Richterstuhl des Christus erscheinen, damit jeder das empfängt, was er für sein Leben verdient hat, es sei gut oder böse.“
Die Bibel, 2. Korinther 5,10
Der Preis der Sünde
Was passiert mit einem gesunden Baum, wenn man an seinem Stamm einmal rund herum einen Streifen Rinde abschält? Klar, er stirbt. Die Wurzel mag überleben und neu austreiben, denn in ihr steckt das Leben des Baumes, doch alles überhalb der abgeschälten Stelle wurde von diesem Leben abgeschnitten und muss daher zu Grunde gehen. Nicht sofort – aber unausweichlich.
Wenn nun Sünde grundsätzlich eine Zerstörung der Beziehung zwischen Mensch und Gott bedeutet – Gott aber die Quelle des Lebens ist – was bedeutet das wohl für den Menschen? Wie bei dem Baum, der von seiner Wurzel getrennt wird, bedeutet es seinen Tod. Nicht sofort – aber unausweichlich. Deswegen sterben wir Menschen.
„Der Lohn der Sünde ist der Tod.“
Die Bibel, Römer 6,23
Gott ist jedoch ewig. Und der immaterielle Teil des Menschen, seine Seele, ist es auch. Der Tod, von dem die Bibel hier spricht, ist daher auch ein ewig anhaltender Tod, nicht bloß der Moment des körperlichen Lebensendes hier in dieser Welt. Und ewiger Tod, das ist die Hölle.
„Aber wie kann ein liebender Gott Menschen für immer in die Hölle werfen?“ Das ist der inzwischen schon fast übliche Einwand. Aber hier wird Liebe leider völlig falsch verstanden…
Ein Beispiel: Unser deutsches Recht kennt „Stalking“ als einen Straftatbestand. Im Kern geht es dabei darum, dass ein Mensch unbedingt mit einem anderen zusammen sein will und sich dem anderen aufdrängt, obwohl der das absolut nicht will. Oft wird dabei von „Liebe“ gesprochen. Aber wenn ich eine Person wirklich liebe, dann muss ich doch den Willen dieser Person ernst nehmen, weil sie mir wirklich wichtig ist! Wen liebt der Stalker also? Wohl eher sich selbst, denn sonst würde er sich ja letztendlich freiwillig zurückziehen. Aus Liebe.
Und genau das tut Gott. Er geht uns nach und gibt uns allen Gelegenheit, die Beziehung zu ihm wieder herzustellen. Aber wenn ein Mensch sich final gegen Gott entschieden hat, dann zieht sich Gott von diesem Menschen zurück. Aus Liebe. Denn auch wenn wir aufhören mögen, Gott zu lieben, liebt er uns dennoch – und nimmt uns ernst. Ja, Gott ist allmächtig – aber er liebt uns viel zu sehr, als dass er sich uns aufzwingen oder unseren freien Willen wegnehmen würde, wenn wir darauf bestehen, etwas zu tun, was ihn verletzt.
Und da, wo Gott sich für immer und ewig zurückzieht, da ist die Hölle. Das ist der Ort, wo Menschen, die ohne Gott sein wollen, ihren Willen bekommen. Und weil alles Gute aus Gott kommt, gibt es in der Hölle eben auch nichts Gutes mehr. Kein Leben, keine Ende von Schmerzen, kein Trost, kein Seelenfrieden, keine Freunde – und keine Hoffnung auf Erlösung.
So erschreckend ernst nimmt Gott uns und unseren freien Willen. Das ist kein willkürlicher Zorn. Es ist einfach die konsequente Umsetzung einer Entscheidung, die der Mensch selbst getroffen und beharrlich in seinem irdischen Leben aufrechterhalten hat.
„Und sie werden in die ewige Strafe hingehen, die Gerechten aber in das ewige Leben.“
Die Bibel, Matthäus 25,46
Aber genau hier fängt die gute Nachricht an
„Denn der Lohn der Sünde ist der Tod; aber die Gnadengabe Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.“
Die Bibel, Römer 6,23
Derselbe Vers wie oben, diesmal nur vollständig. Vor Gericht gibt es ja nicht nur einen möglichen Ausgang, sonst könnte man sich den Prozess ja gleich sparen. Es gibt zwei: Schuldig – oder unschuldig. Und damit kommen wir zum Kreuz von Jesus Christus und einer Wahl, die Gott uns allen in seiner Gnade anbietet.
Wie das möglich ist und was es bedeutet, schauen wir uns dann im nächsten Post an: Stellvertretung.
