Der Retter der Welt

Es ist Mittag. Die heißeste Stunde des Tages. Und ausgerechnet jetzt kommt eine Frau allein zum Brunnen vor der Stadt, um Wasser zu schöpfen.

Das ist ungewöhnlich. Normalerweise holten die Frauen morgens oder abends Wasser, wenn es kühl war und man sich dabei unterhielt. Diese Frau kommt mittags – allein, wenn niemand sonst da ist. Sie meidet die anderen. Wahrscheinlich aus Scham. Denn ihr Leben ist kompliziert: fünf gescheiterte Ehen liegen hinter ihr, und jetzt lebt sie mit einem Mann zusammen, ohne mit ihm verheiratet zu sein. Ihr Leben ist ein offenes Buch des Scheiterns.

Dort am Brunnen, zu dieser ungewöhnlichen Stunde, saß Jesus. Er hatte auf sie gewartet. Er hatte seine Jünger zuvor weggeschickt, um allein mit ihr sprechen zu können.

Eine Frage über Anbetung

Das Gespräch entwickelte sich erstaunlich offen. Jesus wusste – ohne dass sie es ihm erzählt hat – um ihre Vergangenheit, um die fünf Männer, um ihre jetzige Situation. Sie merkt: Dieser Mann ist kein gewöhnlicher Fremder.

„Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.“

Die Bibel, Johannes 4,19

Und dann stellt sie ihm eine Frage, die typisch ist für jemanden, der nach Orientierung sucht – aber an der falschen Stelle schaut: Sie fragt nach dem richtigen Ort der Anbetung. Auf dem Berg der Samariter, wie ihre Väter es taten? Oder in Jerusalem, wie die Juden sagen? Die Samariter waren ein heidnisch-jüdisches Mischvolk und bei den Juden dementsprechend verachtet. Hier ging es als auch um menschliche Befindlichkeiten und Ansehen.

Wer hatte also recht?

Wo muss man hingehen, was muss man tun, um Gott richtig zu begegnen?

Und was ist Anbetung eigentlich genau?

Die Frau fragt also nach der äußeren Form. Nach Ort. Nach Tradition. Nach den richtigen Regeln. Nach Zugehörigkeit. Nach Identität.

Jesus antwortete – aber ganz anders, als sie es erwartet. Er sprach nicht über Berge, Tempel, Formen und Völker. Stattdessen zeigte er ihr, dass wahre Anbeter Gott „im Geist und in der Wahrheit“ anbeten – nicht gebunden an äußere Formen oder Orte, sondern auf der Basis einer echten, persönlichen Beziehung zu ihrem Gott heraus.

Und dann ging er noch weiter. Denn Jesus ist ja eben dieser Gott, der die persönliche Beziehung zu Menschen sucht, um sie dadurch zu erlösen und zu erfüllen. Und so offenbarte er sich dann auch dieser Frau:

Die Frau spricht zu ihm: „Ich weiß, dass der Messias kommt, welcher Christus genannt wird; wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen.“ Jesus spricht zu ihr: „Ich bin’s, der mit dir redet!“

Die Bibel, Johannes 4,25-26

Sie hatte nach der richtigen Form gefragt. Die Antwort von Jesus ist er selbst und eine persönliche Beziehung.

Keine perfekten Menschen, sondern ehrliche Sünder

Bemerkenswert ist, wem Jesus sich hier offenbarte. Nicht den Schriftgelehrten in Jerusalem. Nicht den frommen Vorzeigegläubigen im Tempel oder der Synagoge. Sondern einer fünffach geschiedenen Frau mit einem gescheiterten Leben, einer Außenseiterin der Gesellschaft, die Begegnungen mit ihren Nachbarn und Mitmenschen aus Scham vermied. Eine unglückliche, einsame Frau, die still die schwere Last ihres Lebens trug.

Jesus sucht aber keine perfekten Menschen. Damals nicht und heute auch nicht. Er sucht ehrliche Sünder – Menschen, die bereit sind, mit ihm in eine ganz neue Beziehung einzutreten, ohne sich hinter Form oder Fassade zu verstecken. Er sucht Menschen, die bereit sind, ihn persönlich kennenzulernen.

Er spricht ihre Schuld an. Aber nicht um sie zu beschämen, sondern um sie frei zu machen davon. Stattdessen bietet er ihr etwas an, das größer ist als jede Form von Anbetung: ewiges Leben in einer vertrauensvollen Beziehung mit ihm, die nie enden wird – und darin eingebettet, Vergebung für alle Sünden ihres Lebens, vergangene und zukünftige.

Vom Versteck zum Zeugnis

Was dann passiert, ist der eigentliche Höhepunkt der Geschichte. Die Frau, die sich eben noch für ihr Leben geschämt hat vor den Menschen ihres Dorfes, lässt ihren Wasserkrug stehen, läuft zurück ins Dorf, geht zu den Menschen hin und erzählt jedem, der es hören will, von Jesus. Genau die Menschen, vor denen sie sich versteckt hatte, sind jetzt die ersten, denen sie von ihm erzählt.

Wir haben auf Lies Bibel zuletzt über den Weinstock gesprochen – darüber, dass Leben und Kraft aus der Verbindung zu Jesus fließen. Genau das sehen wir hier in Echtzeit. Sobald diese Frau mit Jesus verbunden ist, fließt das neue Leben von Jesus durch sie hindurch und wie eine Rebe an einem gesunden Weinstock wie von selbst wächst und Frucht bringt, geht sie auf die Menschen ihrer Umgebung zu und möchte weitergeben, was sie selbst empfangen hat. Sie kann es nicht für sich behalten.

Die Samariter aus ihrem Dorf kommen daraufhin selbst zu Jesus, hören ihn, verbringen Zeit mit ihm. Und am Ende sagen sie diesen Satz, mit dem unsere ganze Serie der letzten Tage ihren Abschluss findet:

„Wir haben selbst gehört und erkannt, dass dieser wahrhaftig der Retter der Welt, der Christus ist!“

Die Bibel, Johannes 4,42

Wohlgemerkt: Nicht der Retter der Samariter. Nicht der Retter der Juden. Sondern der ganzen Welt! Jesus kam, um alle Menschen aus allen Völkern zu retten, egal ob Außenseiter oder nicht.

Was diese Serie eigentlich wollte

Wir haben uns jetzt zwölf Namen von Jesus Christus angesehen. Zwölf Bilder. Das Wort, das Licht, das Lamm, das Brot, die Tür, der Hirte, die Auferstehung, der Weg, der Weinstock – und jetzt: der Retter der Welt.

Die Bibel berichtet uns nicht allein vom Evangelium von Jesus Christus, auch seine Namen erzählen es uns. Aber am Ende sind es alles Wegweiser, die uns zu derselben Begegnung führen möchten, wie sie auch die Frau am Brunnen hatte: Jesus, der nicht nach deiner Form fragt, sondern dich in eine persönliche Beziehung einlädt.

Genau das wollen wir auf Lies Bibel auch mit unserm Blog tun: dich nicht zu einer Form oder einer Tradition einladen, sondern zu einer Person. Zu der persönlichen Begegnung und in ein Leben in enger Gemeinschaft mit Jesus Christus. Denn auch wir haben ihn persönlich kennengelernt, so wie die Frau am Brunnen. Auch wir hatten Sünde in unserem Leben. Auch wir durften erleben, wie Jesus offen unsere Sünden ansprach – und vergab, als wir sie ehrlich zugaben und um Vergebung baten. Auch wir leben erfüllt und glücklich in Beziehung mit ihm. Und deshalb wollen wir dir sagen, dass es stimmt, was die Bibel sagt – dass Jesus in diese Welt kam, nicht um Menschen zu suchen, die sich für perfekt halten, sondern um ehrliche Sünder zur Umkehr zu rufen und ihnen ewiges, überfließendes Leben zu schenken.

Lies selbst. Sieh selbst, wer dieser Jesus ist.
Und lass dich retten!

Jesus antwortete und sprach zu ihr: „Wenn du die Gabe Gottes erkennen würdest und wer der ist, der zu dir spricht: … so würdest du ihn bitten, und er gäbe dir lebendiges Wasser. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das bis ins ewige Leben quillt.“

Die Bibel, Johannes 4,10.14