Lebenssatt

Es gibt ein Wort in der Bibel, das man nicht so schnell vergisst, wenn man es einmal bewusst wahrgenommen hat.

Von mehreren Männern im Alten Testament wird berichtet, dass sie „lebenssatt“ starben. Das bedeutet, die waren gesättigt vom Leben. Erfüllt. Fertig – im besten Sinne des Wortes. Nicht erschöpft, nicht unzufrieden, sondern ruhig und völlig zufrieden.

Das ist so ein bisschen wie nach einem Essen mit vielen Gängen. Es könnte zwar noch weiter gehen aber wenn man so richtig satt und zufrieden ist, dann braucht es keine Überwindung, aufzuhören, sondern man kann entspannt loslassen.

Das klingt wunderbar! Aber wenn man sich bei den Personen, über die die Bibel das sagt, das Leben genauer anschaut, stellt sich unweigerlich eine Frage: Wie war das bitte möglich?!

Bei drei von ihnen wollen wir heute näher hinschauen.

Drei Männer – drei kaputte Leben

Hiob verlor innerhalb kürzester Zeit alles, was einem Menschen wertvoll sein kann: seinen Besitz, seine Kinder, seine Gesundheit. Er saß in der Asche, von Geschwüren bedeckt, von seinen Freunden missverstanden und von seiner eigenen Frau aufgefordert, Gott zu verfluchen und zu sterben. Er haderte laut und heftig mit Gott – ungefiltert, anklagend, verzweifelt. Und trotzdem sagt die Bibel über ihn, dass er lebenssatt starb.

Abraham gilt als Vater des Glaubens – zu Recht. Aber er war auch ein Mann, der zweimal aus Feigheit und Eigennutz seine Frau Sara verleugnet und sie damit beide Male in gefährliche und entwürdigende Lagen gebracht hat, statt sich schützend vor sie zu stellen. Zweimal hat er sie im Stich gelassen – zweimal grundlegender Vertrauensbruch in der Ehe – und dementsprechend war seine Ehe recht schwierig. Und trotzdem: Er starb lebenssatt.

David war der größte König Israels – und als Vater ein schweres Versagen. In seiner eigenen Familie kam es zu einem Missbrauchsfall. Als Vater und gleichzeitig die oberste richterliche Instanz des Landes hätte er die Pflicht und jede Möglichkeit gehabt, die Sache gründlich und vollständig aufarbeiten – doch er tat es nicht. Die Folgen waren verheerend: Die missbrauchte Tochter verging, unter seinen Söhnen kam es zu Hass und Mord. Zuletzt kam es noch durch den Sohn, der den Missbrauch begangen hatte, dann auch noch zum Putschversuch und einem Bürgerkrieg im Land. Eine Familientragödie, die er selbst mit ausgelöst hatte und unter der er und das ganze Volk Israel am Ende jahrelang schwer zu leiden hatten. Und trotzdem starb auch David lebenssatt.

Drei Männer. Drei grundverschiedene Arten von zerbrochenen Leben. Unverschuldetes Leid. Eigene Feigheit. Versagen als Vater. Und alle drei sterben am Ende gesättigt, erfüllt, friedlich.

Warum das kein Zufall ist

Das Buch der Prediger, geschrieben von einem der nüchternsten Denker der ganzen Bibel, sagt:

„Kein Mensch auf Erden ist so gerecht, dass er nur Gutes tut und niemals sündigt.“

Die Bibel, Prediger 7,20

Kein Mensch. Nicht mal einer. Die „kaputten“ Leben dieser drei sind keine Ausnahme – es ist die Regel. Es sieht bei jedem anders aus: Unsere Sünden und Fehlentscheidungen haben Folgen – und da als Folge der Sünde auch der Tod in die Welt kam und mit ihm alle Arten von Katastrophen und Krankheiten, sind wir dem alle auf die eine oder andere Art ausgeliefert. Aber die Grundsituation ist für alle Menschen dieselbe: Keiner geht heil durch dieses Leben.

Die Frage ist also nicht: War mein Leben perfekt? Die Frage ist: Was trägt mich trotzdem?

Was Hiob, Abraham und David gemeinsam hatten

Bei allen Unterschieden – im Charakter, den Lebensumständen, in der Art ihres Versagens und Leidens – hatten diese drei Männer doch eine entscheidende Gemeinsamkeit: Sie kannten Gott. Persönlich.

Das ist keine abstrakte Idee oder religiöse Pflicht, sondern es ist die Realität, dass Gott die persönliche Beziehung zu Menschen sucht. Jeder ist eingeladen, ihn ganz direkt kennenzulernen und ihm vertrauen zu lernen. Und es ist diese Beziehung, die durchträgt, auch wenn das Leben mal schwer wird. Wir dürfen auch mal mit dem Leben hadern. Wir dürfen mit dem Gauben ringen. Wir dürfen vor einem Bibelwort stehen und merken, dass wir es nicht verstehen. Wir dürfen von unserer Sünde und Kurzsichtigkeit schockiert sein. Wir dürfen Schuld und Scham empfinden für unsere Fehler. Wir dürfen hilflos vor dem Scherbenhaufen unseres Lebens stehen, ob wir ihn nun angerichtet haben oder nicht. Solange wir mit Gott im Gespräch bleiben, ist das alles nicht das Ende. Wir dürfen ihm alles sagen, ihn alles fragen, ihn um alles bitten. Wir dürfen unsere ganze Last und unser ganzes Leid auf ihn werfen. Dann werden wir immer wieder erleben, dass Gott uns liebt, dass er treu ist und größer, als alle unsere irdischen Probleme.

Für Hiob, Abraham und David war Gott die Hauptperson in ihren Leben. Deswegen konnten auch große Katastrophen ihre Leben nicht dauerhaft zugrunde richten. Denn sie lebten, wozu Jesus uns alle einllädt:

„Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben. Vertraut euch meiner Leitung an und lernt von mir, denn ich gehe behutsam mit euch um und sehe auf niemanden herab. Wenn ihr das tut, dann findet ihr Ruhe für euer Seelen.“

Die Bibel, Matthäus 11,28-29

Wo Menschen versagen, schaut Gott nicht weg. Wo Menschen ihn einladen, bleibt er nicht fern. Wo Menschen ihm ihr Herz ausschütten, gibt er Trost und Hoffnung. Wo Menschen ihn bitten, wird er helfen.

Das ändert die Umstände deines Lebens nicht unbedingt sofort zum Guten. Das wird auch in Zukunft nicht alle Stürme des Lebens von dir abhalten. Aber zu erleben, wie Gott mit dir durch die Höhen und Tiefen des Lebens geht, und wie ein Leben mit ihm nie den Sinn verliert und nie im Zerbruch steckenbleibt, das macht den Unterschied!

Was das für dich bedeutet

Am Ende des Lebens zählt nicht, ob alles gut gelaufen ist. Es zählt nicht, ob man mehr oder weniger Fehler gemacht hat. Es zählt nur, ob man jemanden hat, der größer ist als alle Fehler, alle Sünden, alle Missgeschicke und Schicksalsschläge – jemanden, der dich durch das Leben begleitet und der auf der anderen Seite des Todes auf dich wartet.

Jesus sagt:

„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es im Überfluss haben.“

Die Bibel, Johannes 10,10

Leben im Überfluss, in Fülle – das ist nicht das problemlose Leben. Das ist das Leben, das trotz allen Problemen getragen wird. Das ist die Sattheit, Zufriedenheit, Erfüllung, wie sie Hiob, Abraham und David kannten. Nicht weil sie so viel richtig gemacht hätten, sondern weil sie wussten, wer sie hält – weil sie ihren Gott kannten.

Lebenssatt sterben – das ist möglich. Auch für dich. Aber nicht durch ein perfektes Leben, sondern durch den, der dich gemacht hat und der dein Leben trägt – mit allem, was darin ist.

„Weil er sich an mich klammert, darum will ich ihn erretten; ich will ihn beschützen, weil er meinen Namen kennt. Ruft er mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn befreien und zu Ehren bringen. Ich will ihn sättigen mit langem Leben und ihn schauen lassen meine Rettung!“

Die Bibel, Psalm 91,14-16