Es gibt Tage, die verändern alles. Meist merkt man das erst im Nachhinein. Aber dieser Tag – dieser eine Freitag vor etwa 2.000 Jahren in Jerusalem – der war noch mal etwas ganz anderes! Einmalig in der Menschheitsgeschichte. Einmalig und unerreicht in seiner Tragweite. Was hier geschah, ist der Grund, warum wir bis heute unsere Geschichtsschreibung in „vor Christus“ und „nach Christus“ einteilen.
Was in dieser Nacht noch passierte
Kaum hatte Jesus in Gethsemane sein letztes „Nicht wie ich will, sondern wie du willst“ gebetet, kam Judas mit einer bewaffneten Menge im Rücken. Ein Kuss als Erkennungszeichen. Dann war der Verrat vollzogen. Und Jesus wurde verhaftet.
Mit einem Gedanken hätte er alle seine Feinde vernichten können. Mit einem Wort wären ihm Legionen von Engeln beigesprungen. Aber der, der Gott selbst ist, ließ es geschehen – und ging als Gefangener mit. Für seine Jünger war das zu viel. Sie flohen, verstört – und Jesus wurde allein durch die Nacht geführt.
Bei den jüdischen Hohepriestern wurde er dann verhört. Allerlei falsche Zeugen waren bestochen worden und eine ganze Reihe falscher Anschuldigen vorgebracht. Jesus schwieg. Trotzdem wurden sich die Zeugen nicht einig und alle Anklagen fielen haltlos in sich zusammen. Wie sollte man den, der selbst die Wahrheit ist, auch mit Lügen fangen? Verurteilt wurde Jesus schließlich für das, was er über sich selbst sagte: Dass er der Sohn Gottes war.
Die Schriftgelehrten hatten natürlich sofort verstanden, was er damit sagte, denn der Sohn Gottes ist selbst Gott dem Vater in allem gleich. Und dafür, dass er einfach nur aussprach wer – und was – er wirklich war, verurteilten sie Jesus zum Tod.
Das Problem war nur, sie konnten ihr Todesurteil unter der römischen Herrschaft nicht selbst vollstrecken, denn zu dieser Zeit hatte Rom der jüdischen Führung das Recht entzogen, die Todesstrafe verhängen und ausführen zu dürfen. Deswegen ging es nun für Jesus weiter zu Pilatus, dem römischen Statthalter. Der war auf Grund seiner Position gewohnt, Verbrecher zu verhören und auch Todesurteile auszusprechen. Doch zur allgemeinen Bestürzung der Feinde von Jesus, befand Pilatus:
„Ich finde keine Schuld an ihm!“
Die Bibel, Johannes 18,38
Erst als die Hohepriester die Volksmeinung manipulierten und die Stimmung gegen Jesus kippten, und dann eine aufgebrachte Volksmenge vehement von Pilatus forderte: „Kreuzige ihn!“ (Markus 15,13), da schwenkte der Statthalter um – schließlich war er Politiker.
Was Kreuzigung bedeutete
Als Pilatus für Jesus die Kreuzigung anordnete, begann eine Prozedur, die die Römer zu einer der grauenhaftesten Hinrichtungsmethoden perfektioniert hatten, die die Menschheit je hervorgebracht hat. Kreuzigung war kein schneller Tod und war als Abschreckung gedacht. Daher wurde sie auch nur für die schwersten Verbrechen angeordnet.
Vor der Kreuzigung kam die Geißelung. Das waren vierzig Schläge mit einer Peitsche, in deren meist drei derbe Lederriemen scharfkantige Metallstücke und Knochensplitter eingearbeitet waren. Schläge mit dieser Peitsche brannten nicht auf der Haut oder richteten schlimmstenfalls oberflächliche Verletzungen an, sondern hier wurden die Verurteilten regelrecht zerfleischt. Haut, das Gewebe darunter und Teile der Muskulatur hingen in Fetzen. Nerven lagen blank. Von den Schultern bis zu den Kniekehlen. Und manche Verurteilte überlebten das tatsächlich bereits nicht.
Dann der Weg zum Kreuz. Durch die Stadt. Öffentlich. Zur Schau gestellt. Nackt. Blutend. Den schweren Querbalken des eigenen Kreuzes tragend.
Dann die Nägel. Am Ort der Hinrichtung wurde der Querbalken an einem langen Pfosten befestigt, dann der Verurteilte mit gespreizten Armen darauf gelegt. Was alleine das für die zerfleischten Menschen für Qualen gewesen sein müssen, können wir nicht ermessen. In der Antike zählte das Handgelenk zur Hand und die anatomischen Kenntnisse der Römer und Griechen waren hoch genug, um zu wissen, dass ein Zimmermannsnagel durch die Handfläche letztlich ausreißen würde, durch das Handgelenk aber nicht. Und diese Nägel waren nicht die schönen, glatten Stahlnägel, die wir heute im Baumarkt sehen. Sie waren aus minderwertigeren Metallen gefertigt und gehämmert. Krude, stumpfe Stücke schweren, kantigen Metalls, die nicht dafür gefertigt waren, leicht durch Fleisch zu dringen, sondern schwere Balken viele Jahrzehnte lang zu halten. Und weil im Handgelenk nur wenig Platz ist, quetschten sie viele Nerven, was mit der Zeit zu fürchterlich brennenden Schmerzen geführt haben muss. Und jeder Gefangene bekam drei Nägel: Je einen für jede Hand und einen Langen, der seitlich durch beide Fußgelenke bis in den Balken getrieben wurde, so dass die Verurteilen verdreht und aufrecht von ihren drei Nägeln am Kreuz gehalten wurden.
Und dann kam das Schlimmste: Das lange Warten. Wer bis jetzt überlebt hatte, musste meist noch viele Stunden, manchmal Tage, auf den Tod warten. Durch die weit gespreizten Arme erlahme langsam aber sicher die Atemmuskulatur, so dass sich die Verurteilten mit ihren durchbohrten Händen und Füßen hochdrücken mussten – für jeden Atemzug. Und jedes Mal rieben sie ihren zerfleischten Rücken über das raue, splitterige Holz – für jeden Atemzug.
Jesus hing sechs Stunden am Kreuz. Er wurde nicht ohnmächtig. Er war bei vollem Bewusstsein. Und selbst in dieser Situation betete er noch:
„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“
Die Bibel, Lukas 23,34
Der eine Moment
Um die neunte Stunde nach jüdischer Zeitrechnung – das entspricht 15:00 Uhr bei uns heute – also am späten Nachmittag, rief Jesus mit lauter Stimme:
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Die Bibel, Matthäus 27,46
Das ist vielleicht der erschütterndste Satz der ganzen Bibel. Gott, der Sohn, trägt in diesem Moment die ganze Last der Sündenschuld der gesamten Menschheit auf seinen Schultern – und Gott, der Vater, wendet sich von ihm ab und entlädt über seinem Sohn die gesamte, unvorstellbare Strafe für diese unvorstellbar große Schuld. Wenn es dir hilft, zu verstehen, was da geschah, kannst du dir vorstellen, dass Jesus hier etwa 110 Milliarden Ewigkeiten Hölle erlitten hat – in einem Moment. Das ist in etwa die Anzahl der Menschen, die jemals auf der Erde gelebt haben, bis heute (2026). Und er tat es für uns.
Nur weil er Gott war, konnte Jesus mit seinem heiligen Leben so viel Schuld bezahlen. Nur weil er unendlich ist, konnte er unendliches Leid auf sich nehmen. Und nur weil Jesus eben auch Mensch war, konnte er auch wirklich sterben – denn nur der Tod kann für Sünde bezahlen.
Was genau da am Kreuz geschah, unser Menschlicher Verstand ist vermutlich viel zu klein, um es wirklich zu ermessen. Aber das müssen wir auch nicht, denn mit seinem letzten Atemzug hat Jesus uns gesagt, was es am Ende für uns bedeutet.
„Es ist vollbracht!“
Die Bibel, Johannes 19,30
Unsere Sünde ist bezahlt. Deine Sünde ist bezahlt. Vollständig! Was auch immer du vor Gott dem Vater für Schuld hattest, sie ist beglichen. Nun stehst du bei Jesus in Schuld – und der bietet dir Gnade an. Wenn du Vergebung haben möchtest, Frieden zwischen dir und Gott, dann brauchst du ihn nur zu bitten und dir wird vergeben werden.
„Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat.“
Die Bibel, Johannes 3,16
Aber ein toter Gott rettet niemanden. Auch deshalb musste Jesus sterben, um auch den letzten, ultimativen Sieg zu erringen, um begnadigte Sünder zu retten. Und so endete der Karfreitag damals wirklich und wahrhaftig mit seinem Tod. Und am Tag danach herrschte bedrückende Stille…
