Kosmischer Zufall – oder mehr?

Manchmal lohnt es sich, eine Weltanschauung nicht zu widerlegen, sondern einfach zu Ende zu denken. Wenn es wirklich keinen Gott gibt, was folgt dann eigentlich daraus? Ganz ehrlich, ganz konsequent? Anhänger Darwins und der Evolutionstheorie haben hier gründliche Vorarbeit geleistet.

Wenn das Universum einfach spontan entstanden ist, wenn Leben nur ein besonders komplexer, kosmischer Zufall ist und so eine ungesteuerte, planlose Weiterentwicklung allen Lebens die Realität – dann gibt es streng genommen keinen objektiven Grund, warum ein Mensch mehr wert sein sollte als ein eine beliebige Mikrobe, ein Büschel Gras oder eine Labormaus. Der Mensch ist einfach nur etwas komplexer. Aber auf dieser Basis lässt sich keinerlei objektiver Wert oder so etwas wie „Menschenwürde“ herleiten. Und einen objektiven Sinn kann so ein Leben erst recht nicht haben. Dafür fehlt schlicht ein realer Anker in dieser Weltanschauung, der mehr ist als einfach nur eine persönliche Meinung oder gesellschaftliche Normen. Am Ende dieser logischen Kette stehen beunruhigende Fragen:

„Die wissenschaftliche Weltsicht hat uns gelehrt, dass einige Teile unserer subjektiven Erfahrung Produkte unserer biologischen Ausstattung sind und keine objektiven Entsprechungen in der Welt haben. Der Unterschied zwischen Rot und Grün, der Wohlgeschmack von Früchten und der Ekel vor Aas, die Furcht vor Höhen und die Schönheit von Blumen sind Eigenschaften unseres Nervensystems, und wenn unsere Spezies sich in einem anderen Ökosystem entwickelt hätte oder uns ein paar Gene fehlen würden, könnten unsere Reaktionen entgegengesetzt ausfallen. Wenn nun auch die Unterscheidung zwischen Richtig und Falsch ein Produkt unserer Gehirnverdrahtung ist, warum sollten wir ihr dann mehr Gewicht zuschreiben als dem Unterschied zwischen Rot und Grün? Aber wenn das nur eine kollektive Halluzination ist, wie können wir dann behaupten, dass Übel wie Völkermord und Sklaverei für alle falsch sind, und nicht einfach nur abstoßend für uns?“

Steven Pinker (*1954), Professor der Psychologie an der Universität Harvard (USA)
Aus seinem Essay „The Moral Instinct„, New York Times, 13.01.2008

Wenn es keinen Schöpfer gibt, keinen Plan, kein Woher und Wohin, dann gibt es kein Richtig oder Falsch, keinen Sinn und Zweck im Leben, keinen Wert des Lebens an sich und dementsprechend auch keinen Wert des Menschen. Alles, was uns bleibt, sind Meinungen.

Und genau hier liegt die Spannung, die die meisten von uns tief in sich spüren: Wir fühlen, dass Menschen aber eben doch wertvoll sind. Wir sind überzeugt, dass es wirklich falsch ist, Menschen zu quälen oder zu töten. Und zwar grundsätzlich falsch – immer falsch – gänzlich unabhängig davon, was ein Mensch, der so etwas tut, selbst davon denken mag.

Die christliche Weltanschauung gibt uns hier eine viel belastbarere Grundlage:

„Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.“

Die Bibel, 1. Mose 1,27

Diese Worte stehen ganz am Anfang der Bibel und sie verraten uns etwas Radikales: Wert und Lebenssinn des Menschen sind keine Erfindung, keine Meinung, sondern ein tatsächlicher Baustein der Wirklichkeit. Ein Mensch ist wertvoll, weil er im Bild Gottes gemacht ist, ihm ähnlich. Und zwar unabhängig davon, ob du produktiv, gesund, erfolgreich oder anerkannt bist.

Wir wollen dich damit nicht überrumpeln oder zu einem Sprung „ins Blaue“ drängen. Aber es lohnt sich, ehrlich zu hinterfragen, welche Weltanschauung besser erklärt, was du selbst tief in dir drin für wahr hältst. Blinder Zufall, planlose Prozesse – oder ein Schöpfer, der ein Ziel verfolgt und nach einem daran ausgerichteten Plan handelt?

„Du hast alles in mir geschaffen und hast mich im Leib meiner Mutter geformt. Ich danke dir, dass du mich so herrlich und ausgezeichnet gemacht hast! Wunderbar sind deine Werke, das weiß ich wohl. Du hast zugesehen, wie ich im Verborgenen gestaltet wurde, wie ich gebildet wurde im Dunkel des Mutterleibes. Du hast mich gesehen, bevor ich geboren war. Jeder Tag meines Lebens war in deinem Buch geschrieben. Jeder Augenblick stand fest, noch bevor der erste Tag begann. Wie kostbar sind deine Gedanken über mich, Gott! Es sind unendlich viele.“

Die Bibel, Psalm 139,13-17