Wer wirft den ersten Stein?

Jesus saß wie immer mal wieder im Tempel in Jerusalem und lehrte. Diesmal hatten seine Gegner jedoch eine besondere Falle für ihn vorbereitet – und zerrten öffentlichkeitswirksam eine Frau vor ihn hin.

„Meister, diese Frau ist während der Tat beim Ehebruch ergriffen worden. Im Gesetz aber hat uns Mose geboten, dass solche gesteinigt werden sollen. Was sagst nun du?“

Die Bibel, Johannes 8,4-5

Wieder war es eine Zwickmühle. Würde er sagen: „Steinigt sie“, dann würde er seiner eigenen Botschaft der Gnade widersprechen – und dem römischen Recht, das dem besetzten Israel zu dieser Zeit nicht gestattete, Todesurteile zu verhängen. Würde er aber sagen: „Lasst sie frei“, würde er sich offen gegen die Autorität Moses stellen – und sich damit wiederum unglaubwürdig machen.

Eine Frage, die niemand stellt

Was auffällt: Ehebruch braucht zwei Beteiligte. Wo war also der Mann? Er wurde mit keinem Wort erwähnt, nicht vorgeführt, nicht angeklagt. Damit war klar, dass es den Gegnern von Jesus gar nicht um Gerechtigkeit ging. Die Frau war einfach nur Mittel zum Zweck, um Jesus in die Enge zu treiben. Als seine Gegner ihn drängen, fordert Jesus sie auf:

„Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie!“

Die Bibel, Johannes 8,7

Stille – wieder einmal. Und dann beginnen sich seine Gegner schweigend, einer nach dem anderen, zurückzuziehen. Beginnend mit den Ältesten, denn gerade die mit der meisten Lebenserfahrung und Weisheit erkannten als Erste eine Wahrheit in ihrem eigenen Leben, die sie intellektuell schon lange aus dem Alten Testament kannten:

„Kein Mensch auf Erden ist so gerecht, dass er nur Gutes tut und niemals sündigt.“

Die Bibel, Prediger 7,20

Schuldig – und trotzdem nicht verurteilt

Am Ende stand Jesus allein mit der Frau. Niemand hatte sie nochmal beschuldigt. Niemand hatte nochmal ein Urteil von Jesus gefordert. Niemand hatte einen Stein geworfen. Jesus leugnete ihre Schuld nicht – aber begegnete ihr doch ganz anders als die Schriftgelehrten und Pharisäer:

„Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige nicht mehr!“

Die Bibel, Johannes 8,11

Jesus verharmlost oder relativiert hier nichts, denn die Wahrheit ist, dass wir alle vor Gott schuldig sind. Ob wir nun etwas besser oder schlechter sind als unser Nächster, ist dabei am Ende auch unerheblich – denn zwischen uns und Gott liegen Welten. Aber eben dieser heilige Gott zog es vor, weder die Frau noch die restliche Menschheit sofort zu verurteilen, sondern uns durch das Kreuz seines Sohnes erstmal ein Begnadigungsangebot zu machen und einen Neuanfang anzubieten.

„Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet.“

Die Bibel, Johannes 3,16-17