Es war nicht das erste Mal, dass Jesus im Tempel lehrte. Aber kurz zuvor hatte er etwas getan, das die religiöse Führung Israels nicht einfach ignorieren konnte: Er hatte die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel getrieben, ihre Tische umgeworfen, Tiere hinausgetrieben und den Betrieb des Tempelmarkts kurzerhand zum Erliegen gebracht.
Der Tempel war nicht nur das religiöse Zentrum Israels – er war auch der Sitz der Hohepriester und Ältesten, der höchsten Autorität des Volkes. Israel stand schon seit Generationen unter Fremdherrschaft ohne eigenen König. Was blieb, war die religiöse und gesellschaftliche Führung – und der Tempel als Zentrum und Anker von Israels Identität.
Aber jetzt stand dieser Wanderprediger aus Galiläa dort, lehrte und griff durch, als gehörte ihm der Platz. Das konnten die Hohepriester und Ältesten nicht einfach durchgehen lassen. Deshalb traten sie Jesus entgegen und fragten ihn offen vor den Menschen:
„In welcher Vollmacht tust du dies, und wer hat dir diese Vollmacht gegeben?“
Die Bibel, Matthäus 21,23
Die eigentliche Frage hinter der Frage war: Wer bist du, dass du dir einbildest, über unseren Gottesdienst bestimmen zu können?
Eine Frage, die eine Frage verdient
Jesus antwortete nicht direkt. Stattdessen stellte er ihnen eine Gegenfrage:
„Auch ich will euch ein Wort fragen; wenn ihr mir darauf antwortet, will ich euch auch sagen, in welcher Vollmacht ich dies tue. Woher war die Taufe des Johannes? Vom Himmel oder von Menschen?“
Die Bibel, Matthäus 21,24-25
Johannes der Täufer hatte kurz zuvor im ganzen Land vor großen Menschenmassen gepredigt und viele getauft. Er war von praktisch allen als Prophet anerkannt worden, vom einfachen Volk bis hin zu vielen der Führungselite. Nun aber waren die Hohepriester und Ältesten plötzlich in eine Zwickmühle geraten:
„Da überlegten sie bei sich selbst und sprachen: Wenn wir sagen: Vom Himmel, so wird er uns fragen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt? Wenn wir aber sagen: Von Menschen, so müssen wir die Volksmenge fürchten, denn alle halten Johannes für einen Propheten. Und sie antworteten Jesus und sprachen: Wir wissen es nicht!“
Die Bibel, Matthäus 21,25-27
Sie waren gefangen zwischen der Wahrheit, die sie zwar erkannt hatten aber nicht anerkennen wollten – und ihrem Ansehen beim Volk, auf das sie dringend angewiesen waren.
Die eigentliche Frage
Was Jesus mit seiner Gegenfrage aufdeckte, geht viel tiefer als ein Schlagabtausch zwischen Gegnern. Denn Jesus fragte im Grunde: „Erkennt ihr die Autorität Gottes an?“
Die Hohepriester und Ältesten hätten diese Frage durchaus beantworten können – aber sie wollten es nicht. Viel lieber wollten sie den Anschein von Frömmigkeit wahren und ihre ausgesprochen angesehene Position als religiöse Führung des Volkes behalten. Denn indem sie die Form und nebenbei auch die Kosten des Gottesdienstes für das Volk kontrollierten, verdienten sie sehr viel Geld.
Gottes Autorität anzuerkennen, hätte sie ihre Einkünfte und damit ihren Wohlstand und Einfluss gekostet, denn Gottes Gebote erlaubten keine Abzocke im Tempel. Aber Gottes Autorität offen abzulehnen, hätte sie das Volk gekostet. Deswegen versuchten sie lieber, sich mit einer Lüge aus der Affäre zu ziehen.
Was ist deine Antwort?
Durch das Kreuz und die Auferstehung von Jesus Christus steht aber am Ende jeder Mensch für sich auch vor dieser Frage.
Wie steht es also mit dir?
Erkennst du die Autorität Gottes an?
„Einzigartig ist der HERR, unser Gott! Niemand im Himmel und auf der Erde ist ihm gleich. Sein Thron steht hoch über allen Thronen.“
Die Bibel, Psalm 113,5
