Wenn wir uns vorstellen, wie jemand aussieht, der von Gott persönlich ausgesucht und erhöht wird, dann haben die meisten von uns ein ungefähres Bild im Kopf: beeindruckend, stark, schön, mit einer Ausstrahlung, die man sofort erkennt. Genau dieses Bild zerbricht der Prophet Jesaja schon in den ersten Zeilen seiner berühmtesten Prophezeiung – geschrieben rund 700 Jahre vor Christus.
„Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln, er wird erhoben sein, erhöht werden und sehr erhaben sein. Gleichwie sich viele über dich entsetzten – so sehr war sein Angesicht entstellt, mehr als das irgendeines Mannes, und seine Gestalt mehr als die der Menschenkinder -, genauso wird er viele Heidenvölker in Erstaunen setzen, und Könige werden vor ihm den Mund schließen.“
Die Bibel, Jesaja 52,13-15
Erhöht – und zugleich entstellt wie kein anderer Mensch. Das ist kein Widerspruch, den Jesaja übersehen hat. Er hat es bewusst nebeneinandergestellt. Und 700 Jahre später wurde beides in Jesus Christus auf wirklich einmalige Weise vereint.
Übrigens: Diese Prophezeiung ist nicht erst nach der Kreuzigung von Jesus von Nazareth der Bibel hinzugefügt oder passend gemacht worden. Durch die Qumran-Funde ist wissenschaftlich erwiesen, dass – mit nur einer Ausnahme – alle Bücher des Alten Testaments bereits über einhundert Jahre vor Christus existierten. Und das Buch Jesaja gehört dazu. Damit ist klar, dass Jesajas Worte über Jesus tatsächlich erfüllte Prophetie sind.
„Wer hat unserer Verkündigung geglaubt, und der Arm des HERRN, wem ist er geoffenbart worden? Er wuchs auf vor ihm wie ein Schössling, wie ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und keine Pracht; wir sahen ihn, aber sein Anblick gefiel uns nicht. Verachtet war er und verlassen von den Menschen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut; wie einer, vor dem man das Angesicht verbirgt, so verachtet war er, und wir achteten ihn nicht.“
Die Bibel, Jesaja 53,1-3
Ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich – unscheinbar, ohne Glanz, zerbrechlich. Genauso kam Jesus: als Kind einer armen Familie, in einem Stall geboren, aufgewachsen in einem unbedeutenden Provinznest. Und er kam als Mensch, der Müdigkeit, Hunger, Durst, Angst, Anfechtung und Schmerz empfand – und sterben konnte. Und genau dieser Jesus wurde von seinem eigenen Volk größtenteils nicht erkannt, verachtet, verworfen. Zuletzt starb er qualvoll am Kreuz. Nur eine Handvoll Anhänger hatte damals noch den Mut, ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten – während seine Feinde ihn hämisch verschmähten.
„Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“
Die Bibel, Johannes 1,11
Vielleicht kennst du das Gefühl, an Gottes Wegen zu zweifeln, weil sie so gar nicht nach deinen Vorstellungen sind. Mit Jesus und seinem Kreuz hat Gott definitiv einen Weg beschritten, der verwundert, manche sogar verärgert. Aber genau darin liegt Gottes Handschrift: Er ist nicht darauf angewiesen, unsere Erwartungen zu erfüllen, sondern er tut, was nötig ist. Und das Kreuz war nötig, damit Menschen gerettet werden können.
Wenn du wissen willst, wie diese Geschichte weitergeht – warum ein verachteter, unscheinbarer Mann, von Gott gesandt, alle Erwartungen gesprengt hat – dann lohnt es sich, selbst weiterzulesen. Denn Gott hat uns in der Bibel seine Beweggründe dargelegt und seine Pläne offenbart, damit wir sie verstehen können.
„Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR.“
Die Bibel, Jesaja 55,8
