Wie ein Lamm zur Schlachtbank

Wenn wir zu Unrecht beschuldigt werden, wehren wir uns. Wir erklären, rechtfertigen, verteidigen uns. Das ist ein ganz normaler menschlicher Reflex. Umso auffälliger ist es, wenn jemand genau das nicht tut, obwohl er wirklich unschuldig ist und sich auch wirklich wirkungsvoll verteidigen könnte.

„Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut. […] Er wurde aus dem Land der Lebendigen weggerissen; wegen der Übertretung meines Volkes hat ihn Strafe getroffen. Und man bestimmte sein Grab bei Gottlosen, aber bei einem Reichen war er in seinem Tod, weil er kein Unrecht getan hatte und kein Betrug in seinem Mund gewesen war.“
Die Bibel, Jesaja 53,7-9

Zwei Dinge fallen auf: Erstens sein Schweigen – Jesus sprach kein Wort der Selbstverteidigung, obwohl die Anklage haltlos und auf sein Todesurteil ausgerichtet war. Von Jesus‘ Gerichtsprozess heißt es: „Als er von den obersten Priestern und den Ältesten verklagt wurde, antwortete er nichts. Er antwortete ihm auch nicht auf ein einziges Wort, sodass der Statthalter sich sehr verwunderte.“ (Matthäus 27,12.14)

Zweitens der Widerspruch am Ende: Als ungerechter Verbrecher hingerichtet, aber wie ein gerechter und geachteter reicher Mann begraben. Dies erfüllte sich dadurch, dass nach der Kreuzigung ein reicher Mann, Josef von Arimathia, sein eigenes, neues Felsengrab für Jesus zur Verfügung stellte (Matthäus 27,57-60).

Beide Punkte haben sich bei Jesus also mit erstaunlicher Genauigkeit erfüllt. Beide Punkte weisen uns damit auf dieselbe Sache hin: Der ohne Schuld war, ging ganz bewusst in den Tod, damit durch sein Opfer viele gerettet werden können.

Jesus hat nicht gegen die Ungerechtigkeit und Lügen seiner Feinde angekämpft, weil er sich dazu entschieden hatte, den Plan seines Vaters im Himmel zu erfüllen. Er entschied sich bewusst, die Demütigung hinzunehmen und vertraute sich ganz seinem Vater an.

Vielleicht kennst du das Gefühl, um dein Recht kämpfen zu müssen – im Job, bei einem Streit, für Einhaltung eines gültigen Vertrages. Das Schweigen von Jesus zeigt einen ganz anderen Weg: nicht Widerstand oder Resignation, sondern Vertrauen darauf, dass Gott am Ende alles gut machen und über jede Ungerechtigkeit gerecht richten wird.

So musst auch du nicht mehr jede Schlacht selbst schlagen, wenn du dich auf Jesus verlässt.

„Als er geschmäht wurde, schmähte er nicht wieder, als er litt, drohte er nicht, sondern übergab es dem, der gerecht richtet.“

Die Bibel, 1. Petrus 2,23