Leben in Fülle

In den letzten drei Posts haben wir uns angeschaut, was Jesus über den Zustand des Menschen sagt: Verloren, Sünder, verschuldet. Das ist keine angenehme Diagnose. Aber eine Diagnose ist ja auch nur der Anfang. Die eigentliche Frage ist: Was kommt danach?

Jesus gibt darauf eine Antwort, die viele Menschen überrascht.

Ein Bild, das provoziert

Im zehnten Kapitel des Johannesevangeliums redet Jesus über sich selbst als den guten Hirten. Er beschreibt, wie er seine Schafe kennt – jedes einzelne – und wie er bereit ist, sein Leben für sie hinzugeben. Für die Menschen damals war das ein vertrautes Bild, das seine Zuhörer sofort verstanden.

Aber Jesus sagt auch, was die Alternative zu dem guten Hirten ist: Der Dieb, der nur kommt, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. Ein maximaler Kontrast, der eine Reaktion beim Zuhörer provoziert: Wem willst du dein Leben anvertrauen?

Dem, der sein Leben um deinetwillen geben würde?
Oder dem, der dein Leben um seinetwillen nehmen würde?

Und dann macht Jesus mit einem kurzen, prägnanten Satz unmissverständlich klar, was sein Auftrag und seine Absicht in dieser Welt ist:

„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es im Überfluss haben.“

Die Bibel, Johannes 10,10

Jesus kam, um uns ein ganz neues Leben zu bringen, wie wir es hier auf der Erde nicht mehr kennen. Ein Leben, das mit dem Sündenfall zerbrochen ist. Ein Leben, das nicht von innerem Mangel geprägt wird, den wir mit äußerem Überfluss auszugleichen suchen, sondern ein Leben, das von Innen heraus überfließt – mit Frieden, Freude, Erfüllung und Zufriedenheit.

Was Überfluss und Fülle hier nicht bedeuten

Natürlich wäre es ein Leichtes, diesen Vers misszuverstehen. Aber dieser Ausspruch von Jesus ist keine Garantie für Gesundheit, Erfolg, ein problemfreies Leben oder gar Reichtum. Der christliche Glaube ist kein allumfassendes Versicherungspaket oder Versorgungsvertrag. Das ist nicht gemeint und die Bibel ist in dieser Hinsicht auch sehr ehrlich.

Der Apostel Paulus, wohl der überzeugendste Zeuge des christlichen Glaubens im Neuen Testament, saß mehrfach lange, teils Jahre, unschuldig im Gefängnis. Es ist bezeichnend, dass einige seiner Briefe an Gemeinden und Christen, die er aus dem Gefängnis schrieb, tatsächlich ein Teil der Bibel wurde.

Jesus selbst hatte seinen Jüngern auch schon ausdrücklich gesagt, dass sie in der Welt Bedrängnis haben und Verfolgung um ihres Glaubens willen erleiden werden. Ein Muster, dass sich bis heute fortsetzt. Die frühe Kirchengeschichte zeigt außerdem auch überdeutlich, dass die ersten Christen ganz sicher nicht in Wohlstand und Komfort gelebt haben – und trotzdem eine überfließende Freude und Erfüllung genossen, wie sie diese Welt sonst nicht kennt.

Was Überfluss und Fülle wirklich bedeuten

Es gibt einen Unterschied, den die Bibel immer wieder macht: den Unterschied zwischen dem, was von außen kommt, und dem, was im Inneren da ist.

Äußere Umstände – Gesundheit, Schönheit, Geld, Erfolg, Beziehungen, Anerkennung – können sich verändern. Teils abrupt. Sie kommen und gehen, haben Höhen und Tiefen. Ein Mensch, der seinen Selbstwert und den Sinn seines Lebens auf diese Dinge stützt, ist so stabil wie das Wetter…

Was Jesus anbietet, ist etwas anderes: eine innere Grundlage, die trägt – völlig unabhängig von den äußeren Umständen. Frieden, der nicht von der Situation abhängt. Freude, die nicht an guten Tagen hängt oder besonderen Events hängt. Eine Beziehung zu Gott, die nicht kündbar oder abhängig von Leistung ist.

Der Apostel Paulus beschreibt das aus eigener Erfahrung in seinem Brief an die Gemeinde in Philippi – geschrieben aus dem Gefängnis:

„Nicht wegen des Mangels sage ich das; ich habe nämlich gelernt, mit der Lage zufrieden zu sein, in der ich mich befinde. Denn ich verstehe mich aufs Armsein, ich verstehe mich aber auch aufs Reichsein; ich bin mit allem und jedem vertraut, sowohl satt zu sein als auch zu hungern, sowohl Überfluss zu haben als auch Mangel zu leiden. Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus.“

Die Bibel, Philipper 4,11-13

Das ist keine fromme Durchhalteparole. Das ist das Zeugnis eines Mannes, der beides kannte – Überfluss und Mangel – und der in beiden Zuständen eine Stabilität gefunden hatte, die nicht von außen kam.

Eine Einladung

Paulus schrieb den Philippern auch, was die Grundlage für seine Erfüllung und Zufriedenheit in allen Lebenslagen war – nicht er selbst, sondern sein Gott:

„Sorgt euch um nichts; sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden. Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus!“

Die Bibel, Philipper 4,6-7

Jesus verspricht dir kein problemfreies Leben. Er verspricht dir etwas Besseres: Ein Leben, dessen Grundlage eine tiefe, ungetrübte Beziehung zu ihm ist. Eine Beziehung, in der du über alles reden kannst, und auch nichts erst kompliziert erklären musst, weil er dich wirklich und völlig kennt – und liebt.

Das ist das Kernstück des Lebens als Christ, die Beziehung zu und das tägliche Leben im Austausch mit Gott. Und wo die vielen Probleme des Lebens unser Denken oder unsere Kraft oft übersteigen, tut es sein Beistand auch. Und weil diese Lebensgrundlage einfach nicht abhängig ist von irgendwelchen äußeren Umständen oder deiner Leistung, können auch weder dein Versagen, noch die Stürme des Lebens diese Grundlage erschüttern.

Das ist das Leben in Fülle, von dem Paulus schrieb und das Jesus auch dir anbietet.
Nicht als Belohnung für gute Leistungen, sondern als Geschenk.

„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch Ruhe geben!“

Die Bibel, Matthäus 11,28