Für wen ist Jesus eigentlich gekommen?

Im letzten Post haben wir gesehen, dass Jesus gekommen ist, um zu suchen und zu retten, was verloren ist. Aber wer ist das genau? Wen meint Jesus damit? Und wie geht er mit diesen Menschen um?

Die Antwort, die Jesus selbst gibt, ist überraschend direkt – und für viele Menschen überraschend unbequem.

Ein Essen, das Anstoß erregt

Matthäus, der spätere Apostel, war Zollbeamter gewesen. Ebenso wie Zachäus, den wir in unserem letzten Post erwähnt haben. Auch Matthäus war ein Jude, der für die römische Besatzungsmacht arbeitete und dabei nicht zimperlich war, sich nebenbei an seinen Landsleuten zu bereichern. Kein Mensch, den man freiwillig zum Abendessen eingeladen hätte…

Dann kommt Jesus vorbei, sieht Matthäus an seinem Zollhaus sitzen und sagt ganz einfach: „Folge mir nach.“ Und Matthäus steht dann auch tatsächlich auf und tut genau das. Auf der Stelle. Und kurz darauf sitzt Jesus wahrhaftig mit Matthäus und dessen Freunden beim Essen. Was das für Gestalten waren, kannst du dir sicher denken – natürlich seine Kollegen! Andere Zollbeamte und noch ein paar andere Leute mit zweifelhaftem Ruf. Menschen vom Rand der fromm-religiösen Gesellschaft Israels. Für die Pharisäer, die religiöse Elite des Landes, waren diese Leute einfach Abschaum. Dementsprechend beobachten sie das Ganze mit wachsender Empörung. War Jesus nicht von Gott gesandt? Schließlich fragten sie seine Jünger: „Warum isst euer Meister mit solchen Leuten?!

Jesus hört die Frage und antwortet kurzerhand selbst:

„Die Gesunden brauchen keinen Arzt, wohl aber die Kranken. Nun geht und denkt einmal darüber nach, was mit dem Wort in der Schrift gemeint ist: ‚Ich will, dass ihr barmherzig seid; eure Opfer will ich nicht.‘ Denn ich bin für Sünder gekommen und nicht für die, die meinen, sie seien schon gut genug.“

Die Bibel, Matthäus 9,12-13

Was Jesus damit sagt – und was nicht

Jesus benutzt hier ein einfaches Gleichnis, um eine große Wahrheit für uns begreifbar zu machen. So wie Kranke Behandlung durch einen Arzt brauchen, Gesunde aber nicht, so brauchen Sünder Gottes Vergebung. Und Jesus saß ganz offensichtlich bei Sündern, die an seiner Botschaft interessiert waren.

Dass die Zöllner ganz ohne Zweifel Sünder waren, hatten auch die Pharisäer verstanden. Daher ja auch ihre Empörung. Aber das Jesus den Pharisäern, die sich vor allem ihrer Kenntnis des Alten Testaments rühmten, nun eine Hausaufgabe zum Bibellesen gab, verrät uns viel:

Opfer sind am Ende Werke. Und gute Werke tun, eine Checkliste abarbeiten, das war das Leben und die Lehre der Pharisäer. Das war ihre Vorstellung von einem gottgefälligen Leben. Barmherzigkeit ist hingegen eine Herzenshaltung dem Nächsten gegenüber – und genau darauf stößt Jesus sie hier mit der Nase. Die Zöllner mochten offensichtlich Sünder sein, aber sie machten sich darüber auch keine Illusionen. Es waren die Pharisäer, die dachten, sie seien gut genug. Obwohl sie es auch nicht waren. Ihr Leben mochte viel ordentlicher und auch besser sein. Aber im Herzen waren sie stolze, eingebildete Leute und gnadenlos gegenüber allen anderen.

„O Gott, sei mir Sünder gnädig!“

Die Bibel, Lukas 18,13

Das ist das Gebet eines Zollbeamten aus einem anderen Gleichnis von Jesus. Ein einziger Satz, kein langes, frommes Gebet. Kein Verweis auf Werke oder sonst irgendetwas. Es ist ein einfaches Eingeständnis und die Bitte um Vergebung. Und Jesus sagte, dass dieser Mann gerechtfertigt nach Hause ging. Nicht jedoch der Pharisäer, der neben ihm stand und Gott dafür dankte, dass er so viel besser war, als der Zöllner neben ihm.

Die unbequeme Frage

Jesus kam für ehrliche Sünder. Nicht für Menschen, die sich für gerecht halten.

Das klingt auf den ersten Blick wie eine Einladung – und das ist es auch. Aber es ist gleichzeitig auch eine Herausforderung. Es ist eine Aufforderung, vor Gott Position zu beziehen. Denn bevor man die Einladung Gottes annehmen kann, muss man ehrlich mit ihm sein – und mit sich selbst.

Bist du „krank“? Bist du Sünder?

Brauchst du die „Medizin“, die der Arzt Jesus für Sünder gebracht hat? Brauchst du Vergebung?

„Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“

Die Bibel, 1. Johannes 1,8-9