Ein Lösegeld

In den letzten beiden Posts haben wir gesehen, dass Jesus gekommen ist, um Verlorene zu suchen und zu retten – und dass er dabei ausdrücklich für Sünder gekommen ist, nicht für Menschen, die sich für gut halten.

Aber wie genau funktioniert diese Rettung eigentlich? Was hat Jesus konkret getan?
Jesus selbst gibt uns die Antwort in einem einzigen, gewichtigen Satz…

Ein Streit um den besten Platz

Es ist ein denkwürdiger Moment im Leben von Jesus hier auf der Erde. Zwei seiner engsten Jünger, Jakobus und Johannes, kommen zu ihm mit einer Bitte: Sie wollen die höchsten Ehrenplätze im Reich Gottes haben – links und rechts von Jesus selbst. Die anderen zehn Jünger hören das und sind empört. Ein heftiger Streit droht unter den Männern, die später den christlichen Glauben in die Welt tragen sollen.

Jesus nutzt den Moment für eine grundlegende Lektion über Größe und Macht: In der Welt, sagt er, herrschen die, die Macht haben – und sie lassen es alle spüren. Unter seinen Nachfolgern aber soll es ganz anders sein. Hier soll niemand über den anderen herrschen. Als groß soll der gelten, der den anderen höher achtet als sich selbst. Und Ehre soll denen gegeben werden, die sich zum Diener der anderen machen.

Und dann enthüllt Jesus, mit welchem Auftrag er, Gottes Sohn, in die Welt gekommen ist – und gibt seinen Jüngern und allen Menschen bis heute damit gleichzeitig ein denkwürdiges Vorbild:

„Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.“

Die Bibel, Markus 10,45

Ein Wort, das alles sagt

Lösegeld. Das ist kein Wort, das Jesus hier zufällig oder versehentlich gewählt hat.

Ein Lösegeld ist der Preis, der bezahlt wird, um jemanden freizukaufen. In der Welt der Antike kannte jeder dieses Konzept. Sklaven konnten freigekauft werden. Gefangene konnten ausgelöst werden. Viele Strafen im römischen Reich konnten alternativ mit einer Geldsumme beglichen werden. Der Preis musste nur dem jeweiligen Wert der Sache entsprechen.

Jesus sagte hier also für die Menschen damals unmissverständlich, dass er gekommen war und sein Leben hingeben würde, um damit viele Menschen loszukaufen.

Loszukaufen wovon?

Von einer Schuld, die der Mensch hat. Von einer Strafe, die der Mensch sonst selbst bezahlen müsste. Und wenn der Gegenwert dieser Schuld nur durch das Leben des Sohnes Gottes beglichen werden kann, gibt uns das eine Ahnung davon, dass die Schuld astronomisch hoch sein muss. Ein erdrückender Schuldenberg, den der Schuldner niemals auch nur ansatzweise selbst abarbeiten könnte. In unserer Welt regeln wir solche Situation dann durch das Insolvenzrecht, das letztlich Schulden vergibt, um eine Person in wirtschaftlicher Hinsicht wiederherzustellen.

In unserem Post von vorgestern (Gesucht. Gefunden.) haben wir gesehen, dass der verlorene Sohn zwar nach Hause gehen konnte – aber die Schuld, die er beim Vater hatte, konnte er nicht selbst begleichen. Er kam mit leeren Händen. Was ihn wiederherstellte, war nicht seine Leistung, sondern die Liebe und Vergebung des Vaters.

Am Kreuz von Jesus Christus bietet Gott uns allen im Grunde etwas ähnliches an – denn was ist das Eingeständnis der eigenen Sünden, wenn nicht eine moralische Bankrotterklärung und die Bitte um eine unverdiente Vergebung der Schuld?

Dienen bis zum Ende

Es gibt noch einen anderen Gedanken in diesem Vers, der leicht übersehen wird: Jesus zeigt sich uns hier als den, der dient – nicht als den, dem gedient wird. Der Sohn Gottes. Der Schöpfer des Universums. Der, vor dem sich jedes Knie einmal beugen wird. Und er kam nicht, um sich bedienen zu lassen, sondern um uns zu dienen.

Das ist keine Schwäche. Hier sehen wir das größtmögliche Vorbild für das Prinzip, dass Jesus seinen Jüngern weitergab. Der Größte macht sich zum Diener aller. Der, der rechtmäßig Anspruch darauf hätte, von allen bedient zu werden, achtet uns höher als sich selbst und geht in den Tod, damit wir Leben haben können. Das ist die größte Machtdemonstration der Geschichte. Hier zeigt uns Gott sein Wesen – und das ist nicht Herrschaft um der Herrschaft willen, sondern Hingabe und Barmherzigkeit um der Liebe willen.

„Darin besteht die Liebe — nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und seinen Sohn gesandt hat als Sühnopfer für unsere Sünden.“

Die Bibel, 1. Johannes 4,10

Was das für dich bedeutet

Ein Lösegeld wird gezielt bezahlt. Nicht für eine unbekannte Menge oder die Allgemeinheit irgendwo da draußen – sondern für eine konkrete Person, die von einer konkreten Schuld durch eine konkrete Handlung befreit werden soll.

Jesus hat am Kreuz auch deine Schuld bezahlt. Komplett.
Meinst du, das war nötig?