Jesus war in der Synagoge. Es war Sabbat. Und da war auch ein Mann mit einer verdorrten, verkümmerten Hand. Die Schriftgelehrten und Pharisäer hatten Jesus genau im Auge. Nicht aus Neugier, sondern auf der Suche nach einem Vorwand, ihn anklagen und loswerden zu können.
„Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer lauerten ihm auf, ob er am Sabbat heilen würde, um einen Grund zur Anklage gegen ihn zu finden.“
Die Bibel, Lukas 6,7
Arbeit war am Sabbat durch Gottes Gebot verboten. Heilen galt als Arbeit – zumindest nach der Auslegung seiner Gegner. An jedem anderen Tag der Woche hätten sie Jesus keinen Strick aus einer Heilung drehen können. Aber am Sabbat lauerten sie auf ihre Chance.
Eine Frage, die niemand beantworten will
Jesus wich der Beobachtung nicht aus. Er rief den Mann sogar mitten in die Synagoge, wo ihn wirklich alle sehen konnten. Aber bevor er etwas tat, stellte er seinen Gegnern eine Frage:
„Ich will euch etwas fragen: Darf man am Sabbat Gutes tun oder Böses tun, ein Leben retten oder vernichten?“
Die Bibel, Lukas 6,9
Stille. Niemand antwortete. Wie auch, denn jede ehrliche Antwort hätte den Denkfehler hinter der Falle entlarvt.
Nach einigen Momenten heilte Jesus dann den Mann. Öffentlich. Ohne Umwege. Ohne Entschuldigung.
Der Bumerang
Was als Nächstes geschah, war der eigentlich entlarvende Moment dieser Geschichte. Nicht Jesus wird bloßgestellt – sondern seine Ankläger:
„Sie aber wurden mit Unverstand erfüllt und besprachen sich miteinander, was sie Jesus antun könnten.“
Die Bibel, Lukas 6,11
Am selben Sabbat, an dem sie so peinlich genau das Arbeitsverbot überwacht hatten, begannen sie, die Ermordung von Jesus zu planen. Formal hatten sie kein Sabbat-Gesetz gebrochen. Sie hatten nicht gearbeitet, nicht geheilt, keine Hand gerührt. Und doch verstießen sie in genau diesem Moment fundamental gegen das, worum es Gott eigentlich ging – und geht.
Wer hat den Sabbat wirklich gehalten?
Jesus, der einem Mann seine Hand zurückgegeben hat? Oder die, die an diesem Tag den Tod eines Unschuldigen vorbereiteten?
Die Antwort liegt auf der Hand. Eine Regel lässt sich befolgen, ohne dass das Herz beteiligt ist. Genau das war die Gefahr, vor der Jesus gewarnt hatte: Man kann jeden Buchstaben des Gesetzes halten und trotzdem mit dem, was Gott wirklich mit dem Gesetz wollte, nichts mehr zu tun haben.
Worauf es ankommt
Wie wir gestern gesehen haben, hängt das ganze Gesetz an der Liebe zu Gott und an der Liebe zum Nächsten. Das sind die beiden grundlegenden Prinzipien, an denen wir unseren Umgang mit Gott und Menschen ausrichten sollen. Heute sehen wir, wie das ganz praktisch aussehen kann – und wie leicht man genau daran vorbeileben kann, was Gott wichtig ist, während man mit einer Liste von Vorschriften hantiert.
Was meinst du, worum geht es Gott wirklich?
„Das Reich Gottes besteht nicht in Worten, sondern in Kraft!“
Die Bibel, 1. Korinther 4,20
