Kann nicht jeder einfach recht haben?

Es gibt einen Satz, den man heute sehr oft hört – in Gesprächen, in sozialen Medien, manchmal sogar als Weisheit verpackt: „Jeder hat seine eigene Wahrheit.“

Die Idee dahinter ist, dass Wahrheit individuell ist und jeder seine eigene Version davon haben kann. Diese Sichtweise nennt sich „Relativismus“.

Und das klingt so großzügig! Tolerant. Aufgeklärt. Niemand wird ausgegrenzt. Niemand hat unrecht. Niemand muss seinen Standpunkt erklären. Und alle haben gleichzeitig Recht! Egal wie widersprüchlich ihre Standpunkte sind…?

Es gibt nur eine Wahrheit

Stell dir vor, zwei Menschen stehen vor demselben Haus. Der eine sagt: „Das Haus ist rot.“ Der andere sagt: „Das Haus ist blau.“ Können beide gleichzeitig recht haben?

Natürlich nicht. Entweder das Haus hat eine Farbe und einer von beiden irrt sich. Oder wenn das Haus auf der einen Seite rot und auf der anderen blau ist, dann mögen beide klar die Farbe erkannt haben aber trotzdem liegen dann beide falsch. Wahrnehmung ist etwas anderes als Wahrheit. Und auch, wenn das ein extrem einfaches und plakatives Beispiel ist, verhält es sich doch mit allen Überzeugungen über die Wirklichkeit genauso. Entweder 2 + 2 = 5 ist richtig oder nicht. Entweder die Erde ist eine Kugel oder nicht. Entweder es gibt noch irgendetwas nach dem Tod oder nicht. Zwei Aussagen, die sich gegenseitig ausschließen, können nicht beide wahr sein. Das ist keine Frage von Toleranz, sondern von Logik.

Und damit kommen wir zum Knackpunkt: Wenn meine Meinung über die Wahrheit nicht der Wirklichkeit entspricht, dann hat das Folgen für mich. Wenn ich beispielsweise viel zu schnell fahre, von der Polizei geblitzt werde und nun meinen Führerschein für eine Zeit abgeben soll, dann kann ich zwar sagen, dass meine Wahrheit eine andere ist – aber ändern wird das sehr wahrscheinlich nichts. Mein Wunschdenken wird der Realität im Ernstfall nicht standhalten. Die Wahrheit interessiert sich nicht für meine Meinung. Und wenn ich in entscheidenden Dingen daneben liege, dann muss ich mit den Konsequenzen leben.

Und in dieser Hinsicht gibt es eine Frage, die mehr Tragweite hat, als alle anderen:
Gibt es Gott wirklich – oder gibt es ihn nicht?

Wenn Gott Wirklichkeit ist, dann ist er der Urheber des gesamten Universums und von allem, was darin ist. Und offensichtlich wäre es dann absolut fatal, ihn zu ignorieren.

Warum wir Wahrheit brauchen

Interessant ist, dass viele Menschen den Relativismus zwar im Mund führen – aber im Leben dann nicht wirklich leben können. Wenn jemand ungerecht behandelt wird, sagt er nicht einfach: „OK, das ist deine Wahrheit.“, sondern er beschwert sich: „Das ist ungerecht!“ Damit appelliert er dann aber an einen allgemeingültigen Maßstab, der über allen persönlichen Meinungen steht und für alle gleichermaßen gilt.

Wir können auch gar nicht anders. Unser Gewissen, unsere Gefühle und unser Denken funktionieren einfach so. Unser Empfinden von Ungerechtigkeit, von Schuld, von echtem Verlust – es setzt voraus, dass es einen objektiven Unterschied zwischen richtig und falsch gibt, zwischen wahr und unwahr. Damit haben wir dann aber auch in uns selbst und unserem Umgang mit Wahrheit, Wirklichkeit und Gerechtigkeit einen Fingerzeig, dass es jenseits der sichtbaren Welt noch mehr geben muss. Einen unverrückbaren Anker für Wahrheit, Wirklichkeit und Gerechtigkeit.

Was die Bibel dazu sagt

Der Gott, der sich uns in Jesus Christus in der Bibel vorstellt, erhebt einen Anspruch, der in unserer Zeit unbequem ist.

Jesus spricht zu ihm: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“

Die Bibel, Johannes 14,6

Jesus sagt hier nicht: „Ich sage die Wahrheit.“ Er sagt auch nicht: „Mein Leben und meine Lehre stimmen mit der Wahrheit und Wirklichkeit überein.“ Nein, sein Anspruch ist absolut: Jesus beansprucht, dass er – seine ganze Person – die Wahrheit selbst. Wahrheit, Wirklichkeit und Leben sind demnach Teil seiner Identität.

In der Bibel ist Jesus Christus die zentrale Person von der ersten bis zur letzten Seite. Aber in der Bibel wird auch sehr deutlich, dass Gott damit rechnet, dass dieser Absolutheitsanspruch natürlich geprüft werden will. Und tatsächlich lädt die Bibel auch offen dazu ein:

„Verachtet prophetische Aussagen nicht, prüft aber alles und behaltet das Gute!“

Die Bibel, 1. Thessalonicher 5,20-21

Gott warnt uns hier, sein Wort pauschal zu verachten und zu verwerfen. Er verlangt aber keinen blinden Glauben, sondern das genau Gegenteil: Ernsthafte Prüfung! Das ist eine Einladung zu ehrlicher Auseinandersetzung. Schau hin. Prüfe es. Wäge es ab. Leg dein aktuelles Weltbild daneben und unterziehe es dem gleichen kritischen Blick. Und dann schau, was am meisten Sinn ergibt.

Eine unbequeme Frage

Am Ende läuft es auf eine erschreckend einfache Frage heraus: Suchst du wirklich nach der Wahrheit?

Wenn ja, dann würdest du sie in jedem Fall wissen wollen. Auch wenn sie anders ist, als du dachtest. Auch wenn du sie als ungewohnt empfindest. Auch wenn du natürlich lieber an deiner vorherigen Meinung festhalten möchtest.

Aber es gibt eben nur eine Wahrheit. Und die Bibel stellt uns diese Wahrheit nicht als logisches Konstrukt oder ein Prinzip vor, sondern als eine Person. Und Personen kann man begegnen.

Jesus sagt auch dir:

„Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, so werde ich zu ihm hineingehen und das Mahl mit ihm essen und er mit mir.“

Die Bibel, Offenbarung 3,20