Am Ende bin ich allein

Es gibt ein Problem in unserer Gesellschaft, das unsichtbar und schleichend auf dem Vormarsch ist. Es wird nur wenig darüber gesprochen, obwohl es fast jeder kennt und viele betroffen sind: Einsamkeit.

Nicht unbedingt die Einsamkeit, die entsteht, weil man alleine lebt oder keine Menschen um sich hat. Obwohl wir auch das zur Genüge um uns haben. Nein, hier geht es um eine tiefere Art von Einsamkeit. Es ist das Gefühl, dass niemand wirklich weiß, wie es einem innen drin geht. Dass es auch niemanden so richtig interessiert. Und dass es vielleicht auch einfach niemand so richtig nachvollziehen kann. Und das, obwohl man in einem Raum voller Menschen ist, Gespräche führt, lächelt – und trotzdem ist man allein, unverstanden.

Diese Einsamkeit ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Studien zeigen, dass sie in den letzten Jahrzehnten massiv zugenommen hat – trotz oder vielleicht gerade wegen der sozialen Medien. Wir haben mehr Kontakte als je zuvor. Aber scheinbar weniger echte, tiefe Freundschaften – oder gar keine mehr.

Warum das so ist

Es gibt einen Grund, warum oberflächliche Verbindungen eine tiefe Einsamkeit nicht füllen können: Der Mensch braucht nicht einfach nur Gesellschaft, sondern tiefe, echte Anteilnahme an seinem Leben durch andere. Wir brauchen Liebe – und hier ist nicht die romantische gemeint.

Wirklich gesehen zu werden bedeutet mehr als gemocht oder bewundert zu werden. Es bedeutet: Jemand kennt mich – meine Zweifel, meine Fehler, meine Ängste, vielleicht auch Teile davon, was ich normalerweise vor anderen verberge. Und das wichtigste: Diese Person kennt mich nicht nur sehr gut, sondern bleibt trotzdem. Nicht wegen meiner Leistung. Nicht wegen meines Äußeren. Sondern einfach, weil ich ich bin.

Das ist selten. Und sehr, sehr wertvoll. Vielleicht hast du einen Menschen in deinem Leben, dem du dich wirklich so anvertrauen kannst. Viele haben das nicht. Und selbst die engste menschliche Beziehung hat Grenzen, denn kein Mensch kann einen anderen vollständig kennen, verstehen und tragen. Am Ende, in den stillen Momenten, ist da oft dieses Gefühl: Ich bin allein mit mir.

Was die Bibel über Einsamkeit sagt

Die Bibel kennt dieses Gefühl. Sie beschönigt es nicht. David, der König Israels, der wunderbare Gedichte und Lieder schrieb wie kein anderer, kannte tiefe Einsamkeit – Verfolgung, Verrat, Versagen, Verlust. Und er schrieb:

„Wende dich mir zu, HERR, und sei mir gnädig, denn ich bin einsam und elend.“

Die Bibel, Psalm 25,16

Das ist kein frommer Hochglanztext. Hier spricht ein Mensch, der Gott in seiner Not anfleht – direkt, ungeschönt, ohne Fassade. Und genau das ist es, was die Bibel immer wieder zeigt: Gott läuft nicht weg vor menschlicher Einsamkeit und Zerbrochenheit – sondern er wendet sich Menschen zu, die ihn anrufen.

Der Gott, der dich sieht

Es gibt eine Geschichte im Alten Testament, die eher weniger bekannt und beachtet ist. Und doch enthält sie einen Moment, der vielleicht zu den berührendsten in der ganzen Bibel zählt. Es ist die Geschichte der Magd Hagar, die Abrahams Frau Sarah diente, die unfruchtbar war. Als Sarahs Wunsch nach einem eigenen Kind überhand nahm, musste Hagar mit ihrem Mann schlafen und sollte Sarah dann ihr Kind geben. Aber natürlich kann so etwas nicht zu einem guten Ergebnis führen, sondern brachte Eifersucht, Missgunst, Streit und bittere Worte hervor. Schließlich floh die schwangere Hagar vor Verzweiflung in die Wüste.

Hagar muss es vorgekommen sein, als wäre sie mit ihrem ungeborenen Kind auf den Weg in den Tod. Wie verzweifelt, schutzlos, orientierungslos und einsam muss sich Hagar da vorgekommen sein?

Aber dort in der Wüste begegnete ihr Gott. Er sah sie. Er hatte sie schon immer gesehen. Er kannte sie. Er sprach sie an. Er rettete sie und ihren Sohn und gab Hagar eine Verheißung für ihn, die unter anderem sein Überleben garantiert. Was für ein Trost und was für eine Hoffnung muss das gewesen sein…

Aus dieser Situation heraus gab Hagar Gott einen Namen – hebräisch „el roi“ – und der spricht Bände!
Er bedeutet, ins Deutsche übersetzt:

„Du bist der Gott, der mich sieht!“

Die Bibel, 1. Mose 16,13

Nicht der Gott der Mächtigen. Nicht der Gott der Frommen. Sondern der Gott, der selbst eine verzweifelte, verlassene, verirrte Frau in der Wüste sieht – und sich erbarmt.

Das ist der Charakter Gottes, wie ihn die Bibel beschreibt. Er sucht nicht die Starken und Vorzeigbaren. Er ist der Gott der Witwen und Waisen, der Schwachen, der Armen, der Kranken, der Vergessenen. Er ist ein Gott des Trostes und des Erbarmens, der hinschaut, wo andere wegschauen.

Was das für dich bedeutet

Es gibt eine Art von „Gesehen-werden“, die kein Mensch dir geben kann – weil kein Mensch dich je vollständig kennen kann. Aber Gott kennt dich – und zwar wirklich völlig. Deine ganze Geschichte, deinen ganzen Charakter, alle deine Gedanken – einfach alles von dir – und er liebt dich trotzdem.

Der Apostel Paulus schreibt:

„Jetzt aber, da ihr Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt seid…“

Die Bibel, Galater 4,9

Von Gott erkannt sein. Das ist mehr als ein frommer Gedanke. Das ist die Antwort auf die tiefste Einsamkeit des Menschen!

Du musst nicht perfekt sein, um zu ihm zu kommen. Du musst keine Fassade aufrechterhalten. Du darfst kommen, wie du bist und mit allem, was du vor anderen verbirgst. Er weiß es sowieso schon. Und er wartet trotzdem auf dich.

„HERR, du erforschst mich und kennst mich! Du hast alles in mir geschaffen und hast mich im Leib meiner Mutter geformt. Ich danke dir, dass du mich so herrlich und ausgezeichnet gemacht hast! Wunderbar sind deine Werke, das weiß ich wohl. Du hast zugesehen, wie ich im Verborgenen gestaltet wurde, wie ich gebildet wurde im Dunkel des Mutterleibes. Du hast mich gesehen, bevor ich geboren war. Jeder Tag meines Lebens war in deinem Buch geschrieben. Jeder Augenblick stand fest, noch bevor der erste Tag begann. Wie kostbar sind deine Gedanken über mich, Gott! Es sind unendlich viele.“

Die Bibel, Psalm 139,1.13-17

Willst du wissen, welche Gedanken Gott über dich hat?
In der Bibel kannst du ihm begegnen.