Buße – was ist das eigentlich?

Es gibt Worte, die einen schlechten Ruf haben. Worte, bei denen die meisten Menschen sofort ein bestimmtes Bild im Kopf haben – und das Buch zuklappen, bevor sie auch nur eine Seite gelesen haben.

„Buße“ ist so ein Wort.

Es klingt nach Mittelalter. Nach Mönchen, die sich geißeln. Nach langen Gebetsformeln, die man aufsagen und vielleicht sogar Pilgerreisen, die man unternehmen muss, bevor Gott vergibt. Es klingt nach einem strengen Gott, der darauf wartet, bis wir uns genug geschämt und bemüht haben.

Aber ist das wirklich so?
Oder was bedeutet Buße wirklich – laut der Bibel?

Ein Wort, das man kennen sollte

Das Neue Testament wurde auf Griechisch geschrieben. Und das griechische Wort, das wir mit „Buße“ übersetzen, lautet: Metanoia.

Meta bedeutet: „Über etwas hinaus“. Noia bedeutet: „Das Denken, der Verstand“. Und Metanoia bedeutet wörtlich: „Ein Umdenken“, im Sinne von einer Veränderung der Denkrichtung. Jemand, der bisher in eine Richtung geschaut hat, dreht sich um und schaut in eine ganz andere Richtung.

Keine Selbstgeißelung. Kein Ableisten einer Schuld. Keine langen Gebete. Kein Beweisführung, dass man sich genug geschämt hat. Sondern: Eine innere Umkehr, eine Richtungsänderung im Denken. Das ist Buße im biblischen Sinne.

Was das konkret bedeutet

Jesus beginnt sein öffentliches Auftreten mit einer klaren Ansage:

„Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“

Die Bibel, Markus 1,15

Das klingt in der deutschen Übersetzung streng – dabei ist es einfach eine Einladung. Zum Umdenken. Zur Änderung der Perspektive. Zur inneren Umkehr. Schau doch, das Himmelreich ist nah! Und in Jesus ist es dir viel näher, als du denkst.

Buße ist nicht der schwere Preis, den man zahlt, bevor Gott einen annimmt. Buße ist die Richtungsänderung an sich – die Umkehr, das Umdrehen, die bewusste Hinwendung zu Jesus.

In seinem Gleichnis vom verlorenen Sohn erzählt Jesus eine kurze Geschichte, die genau das verdeutlicht. Die haben wir uns neulich hier schon aus einer anderen Perspektive angeschaut. Kurz gesagt beschließt hier der Sohn, sein Leben selbst in die Hand nehmen zu wollen. Er fordert sein Erbe vom Vater, wendet seinem zu Hause den Rücken und geht – nicht im Guten. Erst viel später, als er das Erbe verprasst und als bettelarmer Schweinehirte tief gefallen ist, kommt er zur Besinnung und entscheidet, nach Hause zurück zu gehen. Aber noch bevor er seinem Vater alles erklären oder sich wortreich entschuldigen kann, kommt der ihm schon aus der Ferne entgegengelaufen, steckt ihm seinen eigenen Ring an den Finger und befielt seinen Dienern, ein sauberes Gewand für ihn zu holen und ein Fest vorzubereiten.

Drei Dinge sind in diesem Gleichnis für unser Thema heute besonders wichtig: Dass der Vater seinem verlorenen Sohn schon von Weitem entgegenläuft, zeigt uns, dass er darauf gewartet hat, dass er zurück kommt und Ausschau gehalten hat. Dass er ihm als erstes seinen eigenen Ring an den Finger steckt, ist sehr bedeutsam, denn damit ist der Siegelring seines Hauses und damit seine eigene Autorität gemeint. Es bedeutet nicht weniger als die völlige Wiederherstellung seines Sohnes mit allen Rechten und Privilegien, wie er sie vor seinem Weggang gehabt hat. Das bedeutet damit auch eine vollständige Vergebung. Und dann sehen wir auch noch, dass das Einzige, was der Vater von seinem Sohn erwartete, die innere Umkehr und Rückkehr in die Beziehung zum Vater war. Buße eben – sonst nichts.

Was Buße nicht ist

Buße ist aber nicht dasselbe wie Reue. Reue ist ein Gefühl tiefen Bedauerns und von Schuld, zusammen mit der Erkenntnis, das etwas, das man getan (oder unterlassen) hat, wirklich falsch war. Reue kann sehr intensiv sein. Reue bedeutet aber nicht notwendigerweise, dass sich irgendetwas ändert. Dafür braucht es eine Entscheidung und das innere Umdenken, das jeder äußeren Änderung vorausgeht. Und genau das ist Buße.

In dem Gleichnis vom verlorenen Sohn war die Buße die Tatsache seiner Rückkehr nach Hause. Bei uns Menschen ist Buße oft weniger offensichtlich, doch Gott sieht nicht nur unser Leben von außen, sondern auch unsere Gedanken, Entscheidungen und Gefühle. Das ist es, worauf er bei jedem von uns besonders achtet, denn hier findet die wahre innere Richtungsänderung und Umkehr zu Gott statt.

„Kehrt um zu mir von ganzem Herzen!“

Die Bibel, Joel 2,12

Dieser Aufruf gilt auch dir

Wie der Vater in dem Gleichnis vom verlorenen Sohn, wartet auch Gott bei jedem Menschen, ob er sich für ein Umdenken und eine Umkehr zu Gott entscheidet.

Er wartet auch auf dich.

Du musst dich nur umdrehen.