Der Mann, der die Bibel ins Deutsche brachte

Es gibt einen Mann, ohne den die deutsche Sprache nicht wäre, was sie ist. Martin Luther übersetzte die Bibel ins Deutsche – und prägte damit nicht nur den christlichen Glauben in Deutschland, sondern die deutsche Sprache selbst. Sein Name steht für Mut, Überzeugung und einen unbeirrbaren Willen zur Wahrheit.

Aber Luther war vor allem eines: Ein Mann, der die Bibel liebte und den, von dem sie spricht – Christus.

Ein Leben mit der Bibel

Luther kannte die Bibel wie kaum ein anderer Mensch seiner Zeit. Er hatte sie studiert, auf Latein und Griechisch, hatte sie übersetzt, gepredigt, kommentiert. Er hatte für das, was er in der Bibel gefunden hatte, buchstäblich seinen Kopf riskiert. Auf dem Reichstag zu Worms 1521 stand er vor Kaiser und Reich und weigerte sich, seine Überzeugungen zu widerrufen, weil sie auf der Bibel gründeten, auf Gottes Wort. Hier sprach er sein berühmtes Wort: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“

Und doch – dieser Mann, der die Bibel so tief kannte wie kaum ein anderer – redete über sie mit einer entwaffnenden Bescheidenheit. Kein Experten-Gehabe. Keine akademische Distanz. Stattdessen dieses Bild:

„Ich lese die Bibel, wie ich meinen Apfelbaum ernte: Ich schüttle ihn, und was runterkommt und reif ist, das nehme ich. Das andere lasse ich noch hängen. Wenn ich eine Stelle der Bibel nicht verstehe, ziehe ich den Hut und geh vorüber.“

Was dieses Bild sagt

Luther schüttelt den Baum. Er nimmt, was reif ist. Und was er nicht versteht? Er zieht den Hut davor und geht vorüber.

Kein Frust. Keine Verzweiflung. Kein „Ich verstehe das nicht, also ist die Bibel unglaubwürdig.“ Sondern: Höchster Respekt vor dem, was größer ist als er – und Geduld mit dem, was noch nicht reif ist für ihn – oder wofür er vielleicht noch nicht reif genug ist. Das ist eine Haltung, die man sich merken sollte. Denn viele Menschen scheitern beim Bibellesen nicht an der Bibel – sondern an ihrer Erwartung, alles sofort verstehen zu müssen. Luther, der die Bibel tiefer kannte als die meisten, hatte diese Erwartung längst hinter sich gelassen.

Er wusste: Dieser „Baum“ ist voll. Man muss nur anfangen zu schütteln. Mit Geduld und Demut.

Eine Einladung

Du musst natürlich kein Theologe sein. Du musst nicht alles verstehen. Du musst nicht mit dem schwersten Kapitel anfangen oder gleich jeden Vers erklären können. Fang einfach an! Schüttle den Baum. Nimm, was herunterfällt. Und freu dich über alles, was du noch nicht verstehst, denn das sind Köstlichkeiten für morgen – oder nächstes Jahr.

„Die Entfaltung deiner Worte erleuchtet, sie macht die Einfältigen verständig.“

Die Bibel, Psalm 119,130

Gott hat keine Angst vor deinen Fragen. Und er hat kein Problem damit, wenn du etwas nicht verstehst. Er liebt dich. Die Bibel ist sein Brief an dich. Mit dir Zeit verbringen, im Gespräch sein, dich im Alltag deines Lebens begleiten, das ist es, was er will. Und nebenbei wird er dir nicht nur nach und nach zeigen, wie er was in der Bibel gemeint hat – sondern sich dir auch selbst mehr und mehr offenbaren.

Nicht Wissen ist der Schatz der Bibel, sondern den zu kennen, der sie geschrieben hat und von dem sie spricht!

„Wer sich rühmen will, soll sich nur wegen dieser einzigen Sache rühmen: dass er mich kennt und begreift, dass ich der HERR bin!“

Die Bibel, Jeremia 9,23