Glaube bedeutet, den Verstand auszuschalten?

Es klingt so einleuchtend: Wer glaubt, hört auf zu denken. Wer denkt, hört auf zu glauben. Vernunft und Glaube? Das sind zwei Welten, die sich gegenseitig ausschließen! Oder?

Das ist eine weit verbreitete Meinung. Mit der Botschaft der Bibel hat sie aber nichts zu tun.

Was Gott tatsächlich fordert

Ausgerechnet an der Stelle, wo Jesus gefragt wird, was das wichtigste Gebot überhaupt ist, sagt er das:

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft! Dies ist das erste Gebot.“

Die Bibel, Markus 12,30

Hast du es bemerkt? Wir sollen Gott auch mit unserem „ganzen Denken“ lieben, also unserem Verstand! Nicht: Trotz des Verstandes. Nicht: Unabhängig vom Verstand. Sondern mittendrin und gleichberechtigt eingereiht in alles andere, was den Menschen ausmacht: Herz, Seele, Denken und Kraft!

Gott will den ganzen Menschen – und dazu gehört ausdrücklich der Kopf. Wenn man es bedenkt, eigentlich wenig verwunderlich. Es war ja Gott, der uns unseren analytischen Verstand bewusst gegeben hat.

Als wäre das nicht deutlich genug, fordert die Bibel den Leser an anderer Stelle aber auch direkt auf:

„Prüft alles, das Gute behaltet!“

Die Bibel, 1. Thessalonicher 5,21

Prüft alles. Nicht: Nehmt alles hin. Nicht: Schaltet den Kopf aus. Sondern: Untersucht es. Denkt nach. Zieht eure eigenen Schlüsse.

Ein Gott, der sich testen lässt

Das ist keine Randnotiz. Das ist eine direkte Aufforderung Gottes an jeden Leser. „Alles“ schließt ja auch ganz deutlich Gottes Wort mit ein. Das ist aber kein Widerspruch oder eine Einladung, Teile der Bibel nicht ernst zu nehmen. Denn Gott ist gut und sein Wort ist es auch und was soll eine ehrliche Prüfung anderes ergeben, als dass der Mensch sehr gut daran tut, das ganze Wort Gottes zu beachten?

Aber die Bibel geht noch weiter. Im fünften Buch Mose gibt Gott dem Volk Israel einen ganz konkreten Test an die Hand, mit dem sie echte Propheten von falschen unterscheiden können – anhand ihrer Vorhersagen, die entweder eintreffen oder nicht:

„Wenn ein Prophet etwas im Namen des HERRN vorhersagt und es nicht eintrifft, dann ist seine Botschaft nicht vom HERRN. Dieser Prophet hat eigenmächtig gehandelt und ihr sollt nicht auf ihn hören.“

Die Bibel, 5. Mose 18,22

Ein Echtheitstest für Propheten – von Gott selbst festgelegt. Von jedem überprüfbar. Das ist kein Gott, der blinde Gefolgschaft erwartet, sondern einer, der vom Menschen erwartet, dass er den Verstand einschaltet, selbst nachprüft, sich selbst eine Meinung bildet – und aus eigener Überzeugung handelt.

Der Gott der Bibel fürchtet die Prüfung nicht. Er fordert sie!

Was genau ist dann Glaube eigentlich?

Vielleicht liegt das Missverständnis schon im Wort selbst. Denn „Glaube“ klingt im Deutschen schnell nach Meinung, nach Vermutung, nach einem vagen Gefühl oder einem Wunsch. So wie: „Ich glaube, es wird morgen regnen.“

Aber das griechische Wort, das im Neuen Testament für „Glaube“ steht – „pistis“ – bedeutet so etwas wie: „Vertrauen aufgrund von Beweisen“. Nicht blindes Wunschdenken. Sondern eine Überzeugung, die auf Fakten steht – und die durchdacht ist.

Ein Richter, der einen Angeklagten für schuldig befindet, glaubt natürlich an dessen Schuld – aber auf der Grundlage von Beweisen, Zeugenaussagen, Indizien. Er war nicht dabei. Er kann es nicht mit letzter Sicherheit wissen. Aber er zieht eine begründete Schlussfolgerung aus dem, was ihm vorliegt.

Genau das meint die Bibel, wenn sie von Glaube spricht!

Eine Einladung zum Nachdenken

Der Gott der Bibel hat kein Interesse an gedankenlosen Anhängern. Die sind nämlich bei leichtem Gegenwind oder einem neuen Hype auch gleich wieder weg. Es sind keine echten Gläubigen.

Gott sucht Menschen, die wirklich hinschauen, die seine Aussagen ernst nehmen, prüfen und sich dann bewusst für ihn entscheiden. Das sind Menschen, die sich Gedanken machen und dadurch eine Basis für eine vertrauensvolle Beziehung schaffen.

Das Johannesevangelium zum Beispiel wurde ausdrücklich:

„…geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.“

Die Bibel, Johannes 20,31

Der Apostel Johannes hat es also bewusst mit dem Ziel und dem Wunsch geschrieben, dass du durch seinen Bericht selbst überprüfen kannst, was es mit der guten Botschaft von Jesus auf sich hat.

War er wirklich der Sohn Gottes?
Ist er wirklich für unser aller Sünden am Kreuz gestorben?
Ist er wirklich wieder vom Tod auferstanden?

Also: Nimm die Bibel zur Hand und lies das Johannesevangelium!
Prüfe selbst, was die Bibel wirklich sagt, wie du es verstehst – und ob du es glauben kannst.