Manche Menschen können nicht genau sagen, was ihnen fehlt. Kein akutes Problem, kein konkreter Verlust – nur ein diffuses Gefühl, das irgendetwas nicht stimmt, dass ihnen irgendetwas fehlt, egal wie viel sie erreichen oder besitzen. Genau dieses Gefühl beschreibt ein Psalmdichter mit einem uns sehr vertrauten Alltagsbild.
„Wie ein Hirsch lechzt nach Wasserbächen, so lechzt meine Seele, o Gott, nach dir! Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott: Wann werde ich kommen und vor Gottes Angesicht erscheinen?“
Die Bibel, Psalm 42,2-3
Durst ist ein Gefühl, das jeder kennt. Man kann Durst ignorieren, überspielen, übertönen – aber eben nur eine Zeit lang. Durst bleibt und wird schlimmer, bis er endlich gestillt wird. Der Psalmdichter erkennt: Das, wonach er sich sehnt, ist nicht ein Gefühl, eine Erklärung oder ein Erfolg. Was er braucht ist Gott selbst.
Was hier als Sehnsucht beschrieben wird, greift Jesus später ganz direkt auf – bei einer Frau, der er an einem Brunnen begegnet. Sie hatte ihr Leben lang nach Erfüllung bei Männern gesucht, lebte inzwischen in der sechsten Beziehung und hatte immer noch nicht gefunden, was sie wirklich brauchte.
Jesus antwortete und sprach zu ihr: „Jeden, der von diesem Wasser [aus dem Brunnen] trinkt, wird wieder dürsten. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das bis ins ewige Leben quillt.“
Die Bibel, Johannes 4,13-14
Vielleicht hast du selbst schon einiges ausprobiert, um diesen Durst in dir zu stillen, Erfüllung zu finden und dadurch einen bleibenden, dauerhaften Frieden zu erlangen. Karriere, Beziehungen, Konsum, Medien, allerlei Ablenkungen. Vieles davon scheint kurz zu helfen. Letztlich hält der Effekt aber nie lange an. Es ist mehr wie laute Musik, die ein leises Geräusch übertönt. Bis die Musik aufhört.
Jesus beschreibt hier aber etwas ganz anderes: kein Wasser, das man immer wieder trinken oder nachfüllen muss, sondern das Entstehen einer Quelle, die aus dir heraus, von innen sprudelt – und nie versiegt. Bis in Ewigkeit.
Der gleiche Psalm, den wir oben zitiert haben, zeigt uns auch, wie man richtig mit dieser Sehnsucht umgeht. Nicht indem man sie verdrängt, sondern indem man sich mit seinem Mangel bewusst an Gott wendet:
„Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken für die Rettung, die von seinem Angesicht kommt!“
Die Bibel, Psalm 42,6
