Es gibt einen Moment in der Geschichte, der so unscheinbar klingt, dass man leicht darüber hinwegliest. Und doch ist er einer der bedeutsamsten Momente der ganzen Bibel. Jesus hängt am Kreuz – und stirbt. Und genau in diesem Moment, so berichten es drei der vier Evangelien, passiert etwas im Tempel in Jerusalem: Der Vorhang im Tempel riss von oben bis unten entzwei.
Um zu verstehen, warum das so bedeutsam ist, muss man wissen, was es mit diesem Vorhang auf sich hatte.
Was dieser Vorhang war
Im Tempel in Jerusalem gab es ein sogenanntes Allerheiligtstes – das war ein ganz besonderer Raum, der als der Ort der besonderen Gegenwart Gottes galt. Kein gewöhnlicher Mensch durfte diesen Raum betreten. Und eigentlich auch niemand sonst. Nicht einmal die Priester. Nur der Hohepriester durfte hinein gehen – und das auch er nur einmal im Jahr, am Versöhnungstag, mit dem Blut eines Opfertieres in der Hand.
Ein schwerer Vorhang trennte diesen Raum vom Rest des Tempels. Er war nach jüdischer Überlieferung etwa 18 Meter hoch und so dick, dass Pferde, die an beiden Seiten befestigt wurden, ihn nicht zerreißen konnten. Dieser Vorhang war keine Dekoration. Er war eine Grenze. Eine sehr ernste Grenze.
Auf der einen Seite: Gott in seiner Heiligkeit. Auf der anderen Seite: Der Mensch in seiner Sünde. Und dazwischen: Der Vorhang, eine Trennung, wie eine Mauer. Dieser Vorhang war eine Aussage: „Hier kommst du nicht durch, denn du bist getrennt von Gott.“
Was der zerrissene Vorhang bedeutet
Als Jesus stirbt, zerreißt der Vorhang. Von oben nach unten. Das ist kein Zufall. Ein Vorhang, der von unten reißt, könnte von Menschenhänden zerrissen worden sein. Einer, der von oben reißt, nicht. Das hat Gott getan.
„Und siehe, der Vorhang im Tempel riss von oben bis unten entzwei…“
Die Bibel, Matthäus 27,51
Was Gott damit sagt, ist unmissverständlich: Der Weg zu mir ist jetzt offen. Die Grenze ist aufgehoben. Das Opfer meines Sohnes am Kreuz hat bezahlt, was kein Tieropfer je bezahlen konnte. Wer will, darf kommen.
Im Brief an die Hebräer erklärt es uns Gottes Wort so:
„Und so, liebe Brüder und Schwestern, können wir jetzt durch das Blut, das Jesus Christus am Kreuz für uns vergossen hat, frei und ungehindert ins Allerheiligste eintreten. Christus hat den Tod auf sich genommen und damit den Vorhang niedergerissen, der uns von Gott trennte. Durch seinen geopferten Leib hat er uns einen neuen Weg gebahnt, der zum Leben führt.“
Die Bibel, Hebräer 10,19-20
Freimütigkeit. Kein Hindernis mehr. Das ist das Gegenteil von dem, was der Vorhang aussagte, bevor er zerriss. Damals war seine Aussage: Stopp! Der zerrissene Vorhang sagt: Komm!
Was das für dich bedeutet
Das Kreuz von Jesus Christus macht den Unterschied. Vor dem Kreuz gab es noch einen Vermittler zwischen Gott und dem Volk der Juden – den Hohepriester. Einmal im Jahr trat er für das Volk ein. Jedes Jahr. Immer wieder. Was er tun konnte, konnte die Schuld der Menschen nicht aufheben. Es war nur ein Vorschatten auf das, was Jesus am Kreuz tun würde.
Nach dem Kreuz gibt es immer noch einen Vermittler – aber eben nur noch einen, für immer und ewig:
„Es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle gegeben hat.“
Die Bibel, 1. Timotheus 2,5-6
Ein Mittler. Nicht viele. Nicht eine Institution. Nicht eine Hierarchie von Heiligen und Priestern. Gott hat es gefallen, nur einen einzigen ewigen Hohepriester zwischen sich und die Menschheit zu setzen: Seinen Sohn Jesus Christus.
Der Vorhang ist zerrissen. Seitdem steht es jedem Menschen frei, zu Gott zu kommen. Das ist es, was Jesus uns am Kreuz mit seinem Leben erkauft hat: Die Chance zur Umkehr und Rückkehr zu Gott für jeden, der will.
Auch dir steht der Weg offen.
Und der zerrissene Vorhang ruft auch dir zu: Komm!
