Sola Scriptura – Allein die Schrift

Es gibt eine Frage, die jede Religion und jede Weltanschauung beantworten muss:
Woher weißt du, was wahr ist? Wer hat das letzte Wort?

Im christlichen Glauben gibt es darauf eine klare Antwort: Allein die Schrift.

Nicht die Schrift und die Tradition. Nicht die Schrift und das Lehramt. Nicht die Schrift und das, was sich im Laufe der Jahrhunderte so eingebürgert hat oder was ich gerade will. Sondern allein die Schrift, die Bibel, sie ist die höchste Autorität in allen Fragen des Glaubens und Christenlebens.

Aber warum eigentlich?

Weil sie nicht von Menschen erdacht wurde.

„Niemals haben sich die Propheten selbst ausgedacht, was sie verkündeten. Immer trieb sie der Heilige Geist dazu, das auszusprechen, was Gott ihnen eingab.“

Die Bibel, 2. Petrus 1,21

Die Bibel hat menschliche Autoren. Das streitet niemand ab. Aber hinter diesen Autoren steht ein göttlicher Urheber. Was sie schrieben, schrieben sie nicht aus eigenem Antrieb, sondern getrieben vom Heiligen Geist. Das macht die Bibel zu etwas grundlegend anderem als jedes andere Buch. Und darum erhebt die Bibel auch zurecht einen einzigartigen Anspruch:

„Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.“

Die Bibel, 2. Timotheus 3,16

Alle Schrift ist von Gott eingegeben. Nicht nur die angenehmen Stellen. Nicht nur die, die mit passen oder die ich verstehe. Sondern alle. Und sie sind alle nützlich. Alle. Auch wenn ich sie nicht alle verstehen mag. Trotzdem ist die Bibel Gottes Mittel, um uns Menschen zuzurüsten für jedes gute Werk. Jedes! Und das bedeutet, dass wir in der Bibel für alle Fragen des Lebens immer alle wichtigen Antworten finden können. Es gibt keine Lebenssituation, wo die Bibel uns nicht den rechten Weg weisen könnte.

Was das konkret bedeutet

Sola Scriptura bedeutet aber nicht, dass Traditionen, Kommentare oder Predigten wertlos sind. Aber es bedeutet, dass sie sich alle an der Bibel messen lassen müssen, nicht umgekehrt. Bei vielen Dingen lässt Gott in seinem Wort uns einen Freiraum, in dem wir so manches selbst entscheiden und unterschiedlich machen können, ohne dass es dadurch falsch wird.

Wenn eine Lehre, eine Tradition oder eine Praxis der Bibel widerspricht, dann ist sie falsch. Gottes Wort gilt, nicht Menschenwort. Gottes Wort und Gottes Prinzipien sind nicht von unserer Zustimmung abhängig – sondern wir von seiner.

Luther hat das auf dem Reichstag zu Worms, wo ihm der Prozess gemacht wurde, auf den Punkt gebracht. Als er aufgefordert wurde, seine eigenen Schriften und Aussagen zum christlichen Glauben und Leben zu widerrufen, sagte er: „Wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde […] so bin ich durch die Stellen der heiligen Schrift […] überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen […] Gott helfe mir. Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“

Die Schrift hatte für ihn das letzte Wort. Nicht die Tradition. Nicht der Kaiser. Nicht der Papst. Und damit war er in bester Gesellschaft, denn selbst Petrus und die Apostel hatten mit dem Druck der Machthaber ihrer Zeit zu tun, ihre Lehre ihren Wünschen anzupassen. Ihre klare Antwort:

„Aber Petrus und die Apostel antworteten und sprachen: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“

Die Bibel, Apostelgeschichte 5,29

Eine Einladung

Wenn die Bibel wirklich Gottes Wort ist – und das ist der Anspruch, den sie selbst erhebt – dann ist sie die zuverlässigste Stimme und der beste Wegweiser, die einem Menschen zur Verfügung stehen.

Wäre es da nicht fahrlässig, nicht zu prüfen, was sie eigentlich genau zu sagen hat?

„Forscht nach im Buch des HERRN und lest es!“

Die Bibel, Jesaja 34,16